– Freiberufliche Praxen leiden unter Fachkräftemangel und 27 % Arbeitszeit für Bürokratie.
– 86 % der Betriebe bieten Teilzeit, 49 % Vier-Tage-Woche für mehr Flexibilität.
– Reform der Höchstarbeitszeit zu flexiblen Wochenmodellen und medienbruchfreie digitale Prozesse gefordert.
Fachkräftemangel und Bürokratie setzen Freiberufler unter starken Druck
Die freiberuflichen Praxen, Kanzleien, Büros und Apotheken in Deutschland stehen angesichts wachsender Herausforderungen an einem Scheideweg. Der anhaltende Ressourcenmangel, vor allem bedingt durch den Fachkräftemangel und eine umfangreiche Bürokratie, belastet die Freiberuflerinnen und Freiberufler bis an ihre Grenzen. Frühere Studien belegen, dass der Fachkräftemangel die Wirtschaftsleistung jährlich um 16 Milliarden Euro verringert. Gleichzeitig beansprucht die Bürokratie etwa 27 Prozent der Arbeitszeit, die eigentlich für die eigentlichen fachlichen Aufgaben vorgesehen ist. Jede dritte Fachkraft arbeitet bereits über ihre Kapazitätsgrenze hinaus. Diese Situation zeige sich als ineffizient und demotivierend, so Dr. Stephan Hofmeister, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB).
Trotz dieser Belastungen setzen die Freien Berufe auf eine moderne und flexible Arbeitskultur, die auf Eigenverantwortung, Vertrauen und Wertschätzung basiert. „Als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber setzen die Freien Berufe auf Eigenverantwortung, Vertrauen und eine moderne Arbeitskultur. Wo es möglich ist, bieten sie etwa Gleitzeit, Teilzeit oder eine Vier-Tage-Woche an – und schaffen so nicht nur Freiräume, sondern auch attraktive Arbeitsplätze. Flexible Modelle und echte Wertschätzung sind entscheidend, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen sowie zu halten und den Teamgeist zu stärken“, erläutert Hofmeister. Diese Ansätze widerspiegeln sich in den aktuellen Umfrageergebnissen: Rund 86,4 Prozent der Befragten ermöglichen Teilzeitoptionen, über 60 Prozent bieten Gleitzeit und flexible Pausengestaltung und knapp die Hälfte der Freien Berufe hat die Vier-Tage-Woche eingeführt.
Angesichts dieser Fakten appelliert der BFB-Präsident eindringlich an die Politik: „Die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform der täglichen Höchstarbeitszeit hin zu einem flexiblen, wochenbasierten Modell muss so umgesetzt werden, dass sie in der Praxis greift – mit Spielraum etwa für Projektspitzen, Belastungsphasen oder Notdienste – und den Verwaltungsaufwand spürbar verringert. Statt neue bürokratische Belastungen zu schaffen – wie etwa durch das geplante Tariftreuegesetz in seiner jetzigen Form – braucht es gezielte Entlastungen.“ Eine effiziente Umsetzung dieser Reform sei unerlässlich, um die Arbeitslast zu mildern und die Fachkräfte besser zu entlasten.
Darüber hinaus betonen die Freien Berufe die Bedeutung medienbruchfreier digitaler Prozesse, die Abläufe spürbar erleichtern und beschleunigen könnten. Ebenso wichtig seien praxistaugliche Arbeitszeitmodelle sowie eine verlässliche Kinderbetreuung — auch außerhalb der üblichen Betreuungszeiten und für alle Altersgruppen —, da diese Faktoren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessern. In der aktuellen Konjunkturumfrage, an der rund 1.700 Freiberuflerinnen und Freiberufler teilnahmen, zeigen sich diese Themen als zentrale Bausteine einer zukunftsfähigen Arbeitswelt.
Der BFB fordert daher neben flexibleren Arbeitszeiten auch einen spürbaren Abbau bürokratischer Hürden und eine stärkere Unterstützung bei der Fachkräftegewinnung. Nur so könne die Leistungsfähigkeit der Freien Berufe erhalten und weiterentwickelt werden – zum Wohl der Mitarbeitenden, der Kundinnen und Kunden sowie der gesamten Wirtschaft.
Flexible Arbeitszeiten: Mehr als nur ein Benefit für die Freien Berufe
Flexible Arbeitszeitmodelle gewinnen in den Freien Berufen zunehmend an Bedeutung – nicht nur als kurzfristige Antwort auf den anhaltenden Fachkräftemangel, sondern als zentrales Element einer modernen Arbeitskultur. Der demografische Wandel führt dazu, dass immer weniger junge Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt drängen, während der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte weltweit zunimmt. In diesem Umfeld sind starre Arbeitszeitregelungen nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen sind flexible Lösungen gefragt, die es ermöglichen, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren und die Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag zu erhalten.
Die Freien Berufe reagieren bereits heute mit einem breit gefächerten Spektrum an Arbeitszeitmodellen auf diese Herausforderungen. Angebote wie Gleitzeit, Teilzeitoptionen, die Vier-Tage-Woche oder flexible Pausengestaltung stehen bei vielen freiberuflichen Praxen, Kanzleien, Büros und Apotheken auf der Agenda. Laut einer Sonderauswertung der BFB-Konjunkturumfrage ermöglichen etwa 86,4 Prozent der Befragten Teilzeitmodelle, und knapp die Hälfte (49,3 Prozent) bietet eine Vier-Tage-Woche an. Diese Optionen schaffen nicht nur Freiräume für Mitarbeitende, sondern tragen auch dazu bei, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten – ein entscheidender Wettbewerbsfaktor in Zeiten von Fachkräftemangel.
Digitalisierung als Hebel für Entlastung
Flexible Arbeitszeiten allein reichen jedoch nicht aus. Eine entscheidende Rolle spielen die politischen und technischen Rahmenbedingungen, die den Arbeitsalltag in den Freien Berufen erleichtern oder erschweren können. Dr. Stephan Hofmeister, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB), hebt hervor, dass insbesondere überbordende Bürokratie und fehlende medienbruchfreie digitale Prozesse die Ressourcen der Freiberuflerinnen und Freiberufler erheblich belasten. So entfallen laut aktuellen Umfragen rund 27 Prozent der Arbeitszeit auf bürokratische Aufgaben, die nicht zum eigentlichen Kerngeschäft zählen.
Eine konsequente Digitalisierung der Verwaltung und die Reduzierung bürokratischer Hürden sind daher unerlässlich, um die Freien Berufe zu entlasten. Dies schließt auch die geplanten Reformen im Arbeitszeitrecht ein – beispielsweise die Umstellung von der täglichen Höchstarbeitszeit auf ein flexibles, wochenbasiertes Modell, mit ausreichendem Spielraum für projektbedingte Belastungsspitzen. Nur wenn solche politischen Entscheidungen praxisnah umgesetzt werden und gleichzeitig digital unterstützte Abläufe Einzug halten, können flexible Arbeitszeitmodelle ihr volles Potenzial entfalten.
Perspektive: Vereinbarkeit und Generationenwechsel
Flexible Arbeitszeiten öffnen zudem neue Perspektiven für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, ein Thema, das aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen an Bedeutung gewinnt. Der Generationenwechsel am Arbeitsmarkt bringt unterschiedliche Erwartungen mit sich: Junge Fachkräfte legen verstärkt Wert auf Eigenverantwortung, Vertrauen und ein selbstbestimmtes Arbeiten. Gleichzeitig steigt der Bedarf an verlässlicher Unterstützung, etwa durch umfassendere Kinderbetreuung – auch zu Randzeiten –, um Familie und Beruf miteinander in Einklang zu bringen.
Diese Entwicklungen fordern von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern nicht nur Offenheit, sondern auch eine moderne Arbeitskultur, die auf Kommunikation und Wertschätzung basiert. Flexible Arbeitszeiten fördern den Teamgeist und die Motivation; eine bessere Balance zwischen Job und Privatleben wirkt sich positiv auf die Produktivität und die Mitarbeiterbindung aus. Gleichermaßen bergen sie aber auch Herausforderungen, etwa bei der Organisation von Präsenzpflichten oder der Erreichbarkeit, die es durch geeignete Führungs- und Kommunikationskonzepte zu meistern gilt.
Mögliche Auswirkungen flexibler Arbeitszeitmodelle in den Freien Berufen:
- Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber und Stärkung der Fachkräftebindung
- Reduzierung von Überlastung und Burnout-Risiken bei Mitarbeitenden
- Erhöhung der Produktivität durch motivierte und zufriedene Teams
- Anpassung an individuelle Lebensphasen und Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Notwendigkeit, technische Voraussetzungen für flexible Modelle zu schaffen und Bürokratie abzubauen
Flexibilität am Arbeitsplatz ist heute mehr als ein Benefit – sie ist ein strategischer Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Freien Berufe. Der rasante technologische Wandel und der gesellschaftliche Wertewandel legen nahe, dass Politik, Verwaltung und Unternehmen eng zusammenarbeiten müssen, um die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeitmodelle kontinuierlich zu verbessern. Nur so lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und zugleich den Ansprüchen moderner Arbeits- und Lebensrealitäten gerecht werden.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Bundesverbands der Freien Berufe e. V. (BFB).