– Apothekenzahl in Deutschland sank bis Mitte 2025 um 238 auf 16.803.
– Seit Ende 2020 gingen fast 2.000 Apotheken verloren, Negativtrend anhält.
– ABDA fordert zügige Umsetzung der Apothekenreform zur Verhinderung weiterer Schließungen.
Sinkende Apothekenzahlen setzen die Arzneimittelversorgung unter Druck
Die Zahl der Apotheken in Deutschland nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Zur Jahresmitte 2025 zählte die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände noch 16.803 Apotheken, das entspricht einem Rückgang von 238 Apotheken gegenüber Ende 2024 mit 17.041 Betrieben. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres schlossen 271 Apotheken, während lediglich 33 neue eröffneten. Obwohl das Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht abnimmt (2024 lag der Rückgang bei 283 Apotheken), ist der Trend deutlich – und besorgniserregend. In fünf Jahren hat sich die Apothekenlandschaft um fast 2.000 Betriebe verringert, ein Verlust von über zehn Prozent seit Ende 2020 (18.753 Apotheken). Ein Ende dieses Negativtrends ist nicht in Sicht.
Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf die Bevölkerung aus. ABDA-Präsident Thomas Preis mahnt: „Die Zahl der Apotheken geht weiter zurück – und für viele Menschen werden deshalb die Wege zur nächsten Apotheke immer weiter.“ Er betont, wie wichtig Apotheken als wohnortnahe Gesundheitszentren sind: „Wo Apotheken verschwinden, kommen Probleme. Die Apotheken sind unverzichtbare, wohnortnahe Zentren der Gesundheit. Ohne sie dünnt die Arzneimittelversorgung für Millionen Patientinnen und Patienten aus.“ Zwar versuchten Botendienste den wachsenden Versorgungslücken entgegenzuwirken, doch langfristig benötige Deutschland starke Apotheken vor Ort, die mehr leisten als reine Arzneimittelversorgung. Neben Impfungen und Prävention gewinnen sie vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und medizinischer Fortschritte zunehmend an Bedeutung. Für ältere Menschen sind Apotheken oft der erste und einzige persönliche Ansprechpartner in einem immer stärker digitalisierten Gesundheitssystem.
Angesichts der Lage fordert die Apothekenschaft schnelles politisches Handeln. „Die Politik hat erkannt, dass die Apotheken seit Jahren chronisch unterfinanziert sind. Deshalb steht im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung, wie dies geändert werden kann.“ Das angekündigte Apothekenreformgesetz müsse zügig umgesetzt werden, da Verzögerungen weitere Schließungen bedeuten, was zum Nachteil der Bürgerinnen und Bürger sei. Parallel dazu bringen Apothekerinnen und Apotheker mit dem Positionspapier „In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke“ Vorschläge ein, wie sie ihre Versorgungsleistungen erweitern können, um Patienten umfassender zu betreuen. „Darüber möchten wir mit der Politik, den Akteuren im Gesundheitswesen sowie den Patientinnen und Patienten ins Gespräch kommen.“ Die aktuelle Entwicklung zeigt klar, dass ein stabiler Apothekenbestand essentiell für eine sichere und wohnortnahe Arzneimittelversorgung bleibt.
Warum das Apothekensterben ganz Deutschland betrifft
Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter deutlich. Innerhalb der letzten fünf Jahre verschwanden fast 2.000 Apotheken, was einem Rückgang von über 10 Prozent entspricht. Für viele Menschen bedeutet das: Der Weg zur nächsten Apotheke wird länger. Doch warum ist der Trend besorgniserregend – und welche Auswirkungen hat er auf die Gesellschaft?
Apotheken sind nicht nur reine Verkaufsstellen für Medikamente. Sie sind zentrale Anlaufstellen für gesundheitliche Beratung, Prävention und Versorgung. Vor allem ältere Menschen und Menschen in ländlichen Regionen sind auf eine wohnortnahe Apotheke angewiesen, oft als ersten persönlichen Ansprechpartner im Gesundheitssystem. Doch gerade in ländlichen Gebieten entsteht durch die Schließungen ein ernstes Problem: Die Versorgungssicherheit ist gefährdet. Wenn Apotheken verschwinden, wachsen die regionalen Versorgungslücken. Die sogenannte „letzte Meile“ in der Arzneimittelversorgung droht unüberschaubar länger und komplizierter zu werden.
Der Rückgang hat vielfältige Ursachen: chronische Unterfinanzierung, steigende Kosten sowie strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen setzen Apotheken unter Druck. Die politischen Vorhaben zur Apothekenreform zielen darauf ab, dieses Problem anzugehen und die Rolle der Apotheken zukunftssicher zu gestalten. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Digitalisierung an Bedeutung. Digitale Angebote könnten helfen, Apotheken auch ohne physische Präsenz stärker in die Versorgung einzubinden – zum Beispiel über Online-Bestellungen oder telemedizinische Beratung.
Wer fragt sich nicht: Wie können Apotheken im Wandel der Zeit bestehen? Was bedeutet das für die Gesundheitsversorgung in meinem Wohnort? Und welche Zukunftsperspektiven gibt es für die Apothekenbranche insgesamt? Die Antworten zeigen: Das Apothekensterben betrifft jeden von uns, weil es mehr ist als eine reine Zahlenspielerei. Es geht um die Erreichbarkeit und Qualität der Gesundheitsversorgung in ganz Deutschland.
Versorgungssicherheit auf dem Land – Gefahr der Unterversorgung
In ländlichen Regionen und strukturschwachen Gebieten sind viele Apotheken am Limit. Wenn Apotheken schließen, wächst die Distanz für Patienten zu ihrer nächsten Anlaufstelle für Arzneimittel und Beratung. Dementsprechend steigt das Risiko einer Unterversorgung, gerade bei älteren und weniger mobilen Menschen. Zwar bieten Botendienste alternativen Service, doch sie können den direkten, persönlichen Kontakt und die umfassende Beratung nur begrenzt ersetzen. Die Folgen sind:
- Längere Wege und Zeitaufwand für Patienten
- Verzögerte Medikamentenversorgung
- Reduzierte gesundheitliche Betreuung vor Ort
Diese Entwicklung erfordert zielgerichtete Lösungen, um eine flächendeckende und wohnortnahe Arzneimittelversorgung sicherzustellen.
Digitalisierung und Zukunftsperspektiven für Apotheken
Die Digitalisierung hält auch im Apothekensektor Einzug. Online-Bestellungen, digitale Rezeptdienste und telemedizinische Beratungen eröffnen neue Möglichkeiten für die Branche. Gleichzeitig bringt der digitale Wandel Herausforderungen mit sich, etwa die technische Ausstattung oder die Integration neuer Abläufe in den Apothekenalltag. Doch diese Entwicklung kann Chancen bieten, insbesondere wenn digitale Angebote Apotheken stärker in ein vernetztes Versorgungsmodell einbinden.
Zentrale Aspekte der Digitalisierung für Apotheken sind:
- Erweiterung des Beratungsangebots durch digitale Kanäle
- Flexiblere und schnellere Medikamentenversorgung
- Anpassung der Apothekenstruktur an veränderte Patientenerwartungen
So können Apotheken heute und in Zukunft ihre Rolle als unverzichtbare Zentren der Gesundheit festigen und ihre Arbeit an die Bedürfnisse der Bevölkerung anpassen.
Das Apothekensterben betrifft Deutschland insgesamt – es geht um die Versorgungssicherheit, die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens und die Frage, wie Apotheken in einem sich wandelnden Umfeld dieser wichtigen Aufgabe gerecht bleiben können.
Aktuelle Zahlen und Zitate in diesem Beitrag beruhen auf einer Pressemitteilung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.