– Saison 2024/25: 829 Spielabbrüche, neun Prozent weniger und niedrigster Stand seit Pandemie-Ende
– Gewaltvorfälle mit 3494 Fällen (sechs Prozent Rückgang), Diskriminierungen minus 3,1 Prozent
– Kapitänsregel und STOPP-Konzept erstmals bundesweit eingeführt, mehr als 88 Prozent bewerten sie als sinnvoll
Gewalt und Diskriminierung im Amateurfußball: Zahl der Vorfälle sinkt weiter
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) meldet erneut einen Rückgang von Gewalt- und Diskriminierungsvorfällen im deutschen Amateurfußball. In der Saison 2024/2025 wurden insgesamt 829 Spielabbrüche aufgrund solcher Vorfälle registriert – das sind neun Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit Ende der Corona-Pandemie vor vier Jahren. Von etwa 1,286 Millionen gespielten Partien betraf dies nur 0,06 Prozent der Spiele.
Auch die Anzahl der Gewaltvorfälle ging zurück: Bei 3494 Spielen wurden entsprechende Ereignisse über Schiedsrichter*innen und elektronische Spielberichte erfasst, was einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber der Vorsaison entspricht. Die Diskriminierungsvorfälle sanken leicht um 3,1 Prozent. Der Anteil der Partien mit gemeldeten Vorfällen ist damit auf 0,43 Prozent gefallen – den niedrigsten Wert seit 2021.
Ronny Zimmermann, 1. DFB-Vizepräsident Amateure und Leiter der AG Gewaltprävention, betont: „Die Richtung stimmt, die Anzahl der Vorfälle sinkt weiterhin, leider nur in kleinen Schritten. Deshalb dürfen wir alle im Fußball in unserem Wirken nicht nachlassen, um für einen respektvollen und freundlichen Umgang auf und neben dem Platz zu sorgen. Es bleibt dabei: Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel. Wir möchten alle aufrufen, auch künftig Vorfälle zu melden, gerade bei Diskriminierungen.“
Seit der Saison 2014/2015 erhebt der DFB jährlich auf Basis der Schiedsrichterberichte die Datenlage zu Gewalt und Diskriminierung im Amateurfußball. Meldungen zu Vorfällen können direkt bei Schiedsrichter*innen oder im Nachgang bei den jeweiligen Anlaufstellen der Landesverbände eingereicht werden. Spielabbrüche werden zudem sportgerichtlich ausgewertet.
Die Gesamtzahl der Geschädigten ging um fünf Prozent zurück, von 6710 auf 6372 Personen. Besonders sichtbar war der Rückgang bei Zuschauerinnen mit minus 13,9 Prozent und Schiedsrichterinnen mit minus sieben Prozent. Auch die Zahl der Beschuldigten sank um fünf Prozent auf 6535 – davon stellen Spieler*innen mit 3220 die größte Gruppe.
Eine Rolle für die positive Entwicklung spielen aktuelle Präventionsmaßnahmen. Erstmals wurden in der abgelaufenen Saison 2024/2025 flächendeckend die Kapitänsregel und das DFB-STOPP-Konzept im deutschen Amateurfußball umgesetzt. Diese Initiativen zielen darauf ab, Gewalt frühzeitig zu verhindern und das Miteinander zu verbessern.
Ronny Zimmermann zeigt sich zufrieden mit den bisherigen Erfahrungen: „Die ersten Ergebnisse sind ermutigend. Die neuen Regelungen funktionieren und haben schon im ersten Jahr dazu beigetragen, das Miteinander auf dem Platz ein Stück zu verbessern und Eskalationen möglichst frühzeitig einzudämmen. Wir werden die Erkenntnisse aus der ersten Saison gemeinsam mit den Landesverbänden auswerten und die Maßnahmen konsequent weiter schulen und weiterentwickeln.“
Das bestätigt auch das aktuelle Amateurfußball-Barometer, in dem über 5000 Personen aus Amateurvereinen zu den neuen Präventionsmaßnahmen befragt wurden. Demnach bewerten 93 Prozent die Kapitänsregel als sinnvoll, 88 Prozent unterstützen das DFB-STOPP-Konzept. Zudem berichten Schiedsrichter*innen von einer gestiegenen Wertschätzung. Sie fühlen sich im Vergleich zum Vorjahr zehn Prozent mehr gesehen und um sieben Prozent eingebundener ins Vereinsleben.
Die kontinuierliche Erhebung und Auswertung solcher Daten liefert wichtige Erkenntnisse für die Gewaltprävention im Amateurfußball. Die positive Tendenz zeigt erste Erfolge, mahnt aber zugleich zur weiteren Wachsamkeit und konsequenten Gegenmaßnahmen, um den Sport sicher und respektvoll für alle Beteiligten zu gestalten.
Gewaltprävention im Amateurfußball: Warum das Thema uns alle angeht
Gewaltprävention im Amateurfußball ist längst kein lokales Thema mehr, das ausschließlich Vereinsmitglieder betrifft. Vielmehr spiegelt sie gesellschaftliche Dynamiken wider, die über die Sportplätze hinausreichen und alle Bürgerinnen und Bürger berühren. Wenn sich die Atmosphäre auf den Spielfeldern verändert – ob durch respektvolleren Umgang oder das gezielte Eindämmen von Aggressionen – wirkt sich das auch positiv auf das soziale Miteinander in anderen Lebensbereichen aus. Vereine stehen dabei als zentrale soziale Orte in der Verantwortung: Sie prägen das Verhalten ihrer Mitglieder, formen Werte und setzen Regeln, die weit über den Sport hinaus Bedeutung haben.
Die Herausforderungen im Amateurfußball reichen dabei über die offensichtlich gemeldeten Gewalttaten und Spielabbrüche hinaus. Auch subtile Formen von Diskriminierung und verbale Konflikte zeigen, wie wichtig kontinuierliche Präventionsarbeit ist. Es gibt keine einfache Lösung, die allein durch neue Regeln oder Kampagnen alle Probleme beseitigt. Dennoch bieten präzise Maßnahmen wie die neue Kapitänsregel oder das DFB-STOPP-Konzept konkrete Ansatzpunkte, um Eskalationen frühzeitig zu verhindern und das Miteinander zu verbessern. Solche Instrumente können jedoch nur wirken, wenn Spieler, Schiedsrichter, Eltern und Vereinsverantwortliche sie engagiert unterstützen und gemeinsam für einen respektvollen Umgang eintreten.
Herausforderungen für Vereine und Gesellschaft
Die Herausforderungen verteilen sich auf verschiedene Akteursgruppen, die alle eine wichtige Rolle in der Gewaltprävention spielen:
- Vereine: Sie müssen neben der sportlichen Förderung auch ein Klima schaffen, das Toleranz und Fairness stärkt, und Konflikte konsequent angehen.
- Schiedsrichter*innen: Sie erfahren häufig Diskriminierung und Gewalt, sind aber essenziell für die Durchsetzung von Regeln und das frühzeitige Erkennen von aggressivem Verhalten.
- Eltern und Angehörige: Ihr Verhalten am Spielfeldrand wirkt oft als Vorbild und beeinflusst, wie junge Spieler Konflikte wahrnehmen und lösen.
- Spieler*innen: Sie sind direkt an der Basis und tragen große Verantwortung, das Spiel fair und respektvoll zu gestalten.
Was sich im Alltag auf den Sportplätzen verändert
Der Amateurfußball setzt seit einigen Jahren vermehrt auf präventive Konzepte, die das Ziel haben, die sozialen Spannungen zu verringern. Das spiegelt sich in positiven Entwicklungen wider: Spielabbrüche aufgrund von Gewalt und Diskriminierung sind rückläufig, der Umgang mit Konflikten wird bewusster. Diese Veränderungen zeigen, dass gezielte Regelungen und Sensibilisierungen nicht nur auf dem Papier bleiben, sondern den Alltag auf den Sportplätzen tatsächlich beeinflussen können. Dennoch bleibt es eine stetige Aufgabe, die Beteiligten kontinuierlich einzubinden und die Maßnahmen weiterzuentwickeln, um eine nachhaltige Kultur des Respekts zu etablieren.
Die Bedeutung der Gewaltprävention im Amateurfußball lässt sich daher nicht isoliert betrachten. Sie ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Umgangsformen und eine Chance, respektvolles Verhalten zu fördern, das weit über den Sport hinauswirkt. Gerade mit Blick auf die vielen Menschen, die direkt oder indirekt mit dem Fußballsport verbunden sind, hat dieses Thema eine Relevanz, die alle betrifft.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).




11 Kommentare
Die gesunkenen Zahlen sind vielversprechend und ich hoffe auf weitere positive Entwicklungen! Gibt es Studien darüber wie sich dies langfristig auf die Vereinsmitgliedschaft auswirkt?
Das wäre wirklich interessant zu wissen! Eine langfristige Studie könnte helfen.
Ich bin froh über den Rückgang der Vorfälle im Amateurfußball! Das zeigt doch Fortschritte auf dem Platz und außerhalb! Wie oft werden diese neuen Regeln eigentlich überprüft?
„Die Richtung stimmt“ – das ist ein tolles Zitat! Ich denke aber, dass wir noch viel mehr tun müssen, um die Sensibilisierung weiter voranzutreiben. Wie können wir mehr Menschen erreichen und einbeziehen?
‚Die Herausforderung für Vereine‘ ist sehr wichtig! Aber was denkt ihr über die Rolle der Medien dabei? Sie können das Bewusstsein schärfen!
Ich stimme zu! Die Medien sollten auch positive Geschichten erzählen um mehr Leute zu inspirieren sich einzubringen!
Es ist beeindruckend, dass die Zahlen tatsächlich sinken. Vielleicht sollten wir mehr über die positiven Entwicklungen berichten? Ich denke, das könnte auch andere dazu motivieren, sich für den Fußball einzusetzen.
Ja genau! Positives Feedback kann viel bewirken. Die Schiedsrichter*innen sind auch ein wichtiger Punkt. Was denkt ihr über ihre Rolle in diesem Prozess?
Ich finde es wichtig, dass auch Eltern und Angehörige in diesen Prozess einbezogen werden. Sie müssen ein gutes Vorbild sein! Welche Schulungen gibt es für sie?
Ich finde es wirklich ermutigend zu sehen, dass die Zahl der Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle im Amateurfußball sinkt. Es zeigt, dass die neuen Maßnahmen wie das DFB-STOPP-Konzept Wirkung zeigen. Was haltet ihr von der Kapitänsregel? Ich glaube, sie könnte einen großen Unterschied machen.
Die Kapitänsregel scheint wirklich eine gute Idee zu sein. Ich hoffe, dass sie den Spielern hilft, Konflikte besser zu lösen. Gibt es Informationen darüber, wie viele Vereine bereits aktiv daran teilnehmen?