– EMA empfiehlt Zulassung von Donanemab als zweiten Alzheimer-Antikörper in Europa.
– Donanemab reduziert Amyloid-Plaques um 84 Prozent; verlangsamt kognitiven Abbau um 32 Prozent.
– Höhere ARIA-Nebenwirkungsrate bei Donanemab erfordert besonders sorgfältige Patientenselektion.
EMA empfiehlt Zulassung von Donanemab: Neue Chancen für Alzheimer-Patienten
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat eine empfehlende Zulassung für Donanemab ausgesprochen, einen zweiten Antikörper gegen Alzheimer, der in Europa bald erhältlich sein könnte. Diese Entscheidung eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten für Menschen im frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit. Obwohl Donanemab nicht heilend wirkt und die Krankheit nicht stoppen kann, verlangsamt der Antikörper das Fortschreiten der Demenz. Ähnlich wie Lecanemab, das erste zugelassene Medikament seiner Art, zielt Donanemab darauf ab, Amyloid-Plaques im Gehirn zu reduzieren – ein zentraler Faktor bei Alzheimer.
Donanemab zeigt eine schnellere und stärkere Wirkung als Lecanemab: In der TRAILBLAZER-ALZ2-Studie sank die Amyloidlast nach 76 Wochen um 84 Prozent, während bei 76,4 Prozent der Patienten sogar eine vollständige „Amyloid-Freiheit“ festgestellt wurde. Dies führte klinisch zu einer Verlangsamung des kognitiven Abbaus um 32 Prozent. Zudem zeigte die Studie eine Korrelation zwischen der Reduktion der Plaques und der Abnahme von Tau-Proteinen – ein weiterer Krankheitspartikel. Je weniger Tau im Gehirn vorhanden war, desto wirksamer verlief die Behandlung. Für Patienten mit niedrigem Tau-Spiegel bedeutete die Therapie einen Zeitgewinn von 4,36 Monaten, die Gesamtgruppe profitierte im Mittel um 2,47 Monate.
Prof. Dr. Jörg B. Schulz, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), fasst die Bedeutung solcher Therapien so zusammen: „Die neuen Alzheimer-Antikörper sind ein erster Erfolg im Kampf gegen diese neurodegenerative Erkrankung, wenn auch noch nicht der Durchbruch, den wir uns wünschen.“ Er betont die Notwendigkeit der Frühbehandlung: „Das heißt, wir müssen Betroffene in den sehr frühen Stadien behandeln.“ Zugleich weist er auf die Bedeutung von Biomarkern und Bluttests hin, die die Diagnose weiter erleichtern, warnt aber: „Eine Demenz-Krankheit sollte aber nicht ohne entsprechende klinische Symptome diagnostiziert werden.“
Donanemab bringt jedoch auch mehr Nebenwirkungen mit sich als Lecanemab. Bei 36,8 Prozent der Behandelten traten sogenannte „Amyloid-related Imaging Abnormalities“ (ARIA) auf, in 1,6 Prozent der Fälle waren diese schwerwiegend – begleitet von drei Todesfällen. Besonders betroffen sind Personen mit zwei Kopien des Risikogens ApoE4, bei denen die ARIA-Rate bei fast 56 Prozent lag. Bei Trägern keiner oder nur einer Kopie waren es etwa ein Drittel. Diese Risiken führten dazu, dass die EMA zunächst den Nutzen als nicht eindeutig größer als die Risiken bewertete. Neue Sicherheitsdaten flossen nun in die Empfehlung mit ein.
Prof. Schulz weist darauf hin, dass bei Donanemab eine langsamen Aufdosierung eingeführt wurde, um die Nebenwirkungen zu verringern: „Im Unterschied zu Lecanemab wurde aus Sicherheitsgründen bei Therapieinitiierung von Donanemab eine langsame Aufdosierung empfohlen, was aus unserer Sicht eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme ist. Auch soll es für Donanemab wie für Lecanemab ein Controlled Access Program geben.“ Der Generalsekretär der DGN, Prof. Dr. Peter Berlit, ergänzt: „Die Patientenselektion wird aufgrund des höheren Nebenwirkungsrisikos noch etwas wichtiger als bei Lecanemab. Wir Ärztinnen und Ärzte müssen nun eine sehr sorgfältige Patientenselektion vornehmen und insbesondere bei Betroffenen mit einer Kopie des Risikogens vorab alle individuellen Risikofaktoren mit in den Blick nehmen.“
Beide Medikamente sind für Patientinnen und Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung sowie positiver Amyloidpathologie zugelassen, vorausgesetzt, sie tragen keine oder nur eine ApoE4-Kopie. Im Vergleich zu Lecanemab muss Donanemab weniger häufig infundiert werden – nämlich alle 28 Tage statt alle 14 Tage. Prof. Berlit betont außerdem: „Außerdem wurden in der Studie klare Kriterien definiert, wann eine erfolgreiche Behandlung beendet werden kann.“ Dies unterstreiche, wie entscheidend eine frühe Diagnose und eine zielgerichtete Therapie bei Alzheimer sind.
Mit der EMA-Empfehlung für Donanemab steht nun eine zusätzliche Behandlungsoption bereit, die das Spektrum für Frühdiagnose und -therapie erweitert und aufzeigt, wie Fortschritte in der Alzheimer-Forschung langsam in die klinische Praxis Einzug halten können.
Die Donanemab-Zulassung: Ein Wendepunkt für Alzheimer-Patient:innen und das Gesundheitssystem
Die jüngste Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für die Zulassung von Donanemab markiert eine bedeutende Entwicklung in der Behandlung der Alzheimer-Erkrankung. Donanemab ist nach Lecanemab der zweite Antikörper, der zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs bei frühen Alzheimer-Stadien zugelassen werden soll. Die Therapie zielt darauf ab, Amyloid-Plaques im Gehirn abzubauen, die als eine der Hauptursachen für den kognitiven Abbau gelten. Klinische Studien belegen, dass Donanemab die Amyloidlast nach knapp anderthalb Jahren um 84 % reduziert, wovon über 76 % der Patient:innen eine Amyloid-Freiheit erreichten. Zugleich verlangsamte die Behandlung den kognitiven Abbau um etwa ein Drittel.
Für Patient:innen bedeutet das vor allem mehr Zeit, in der sie ihren Alltag mit weniger Einschränkungen bewältigen können. Doch es handelt sich nicht um eine Heilung: Die Alzheimer-Erkrankung nimmt weiter ihren Verlauf, wenn auch in verlangsamtem Tempo. Diese Einschränkung ist zentral, um unrealistischen Hoffnungen entgegenzuwirken und die Akzeptanz für laufende Forschung und ergänzende Pflegeangebote zu fördern.
Die Bedeutung früher Diagnose und personalisierter Medizin
Eine wichtige Voraussetzung, damit die Behandlung mit Donanemab wirksam ist, liegt in der rechtzeitigen Erkennung der Krankheit. Nur Patient:innen im Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung kommen für diese Therapie in Frage. Deshalb gewinnt die Diagnostik mit Biomarkern an Bedeutung. Bluttests und andere Verfahren helfen, pathologische Veränderungen früh zu identifizieren, bevor schwerwiegendere Symptome auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie betont, dass eine Demenz-Diagnose nicht allein auf biomolekularen Befunden basieren sollte, sondern immer auch auf klinischen Symptomen.
Zudem setzt Donanemab eine präzise Patientenselektion voraus. Insbesondere das Träger:innenverhältnis des Risikogens ApoE4 beeinflusst die Nebenwirkungsrate. Bei Patient:innen mit zwei Kopien von ApoE4 kam es mit höherer Wahrscheinlichkeit zu sogenannten ARIA (Amyloid-related Imaging Abnormalities), also bildgebend sichtbaren Entzündungsreaktionen im Gehirn. Daher wird empfohlen, die Therapie langsam aufzudosieren und die individuelle Risikolage sorgfältig zu beurteilen, bevor sie beginnt.
Herausforderungen bei Einführung neuer Alzheimer-Therapien
Die Zulassung von Donanemab bringt für das Gesundheitssystem und die Versorgung von Patient:innen eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Dazu gehört:
- Die Notwendigkeit, Patient:innen frühzeitig zu identifizieren und entsprechend zu überwachen
- Die erhöhte Nebenwirkungsrate, die intensive Diagnostik und Kontrolluntersuchungen erfordert
- Organisatorische Anpassungen, da Donanemab im Unterschied zu Lecanemab nur alle 28 Tage infundiert werden muss, was bestimmte logistische Vorteile bietet
Zudem ist der Einsatz neuer Antikörper zugleich mit hohen Kosten verbunden und fordert die Ausweitung spezialisierter Versorgungsstrukturen, um einen sicheren und effektiven Einsatz zu gewährleisten. Ein „Controlled Access Program“ soll dafür sorgen, dass Patient:innen, die in die Therapie aufgenommen werden, sorgfältig ausgewählt und begleitet werden.
Gesellschaftlicher und medizinischer Kontext
Der Einsatz von Donanemab ist Teil internationaler Entwicklungen im Kampf gegen Alzheimer. Während in Europa nun ein zweites Medikament diese neue Behandlungsstrategie unterstützt, spiegeln sich weltweit steigende Investitionen in Diagnostik und Therapie wider. Die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten rücken auch die Bedeutung von Vernetzung und Aufklärung in Pflege und Gesellschaft in den Fokus.
Für Pflegepersonen und Familien eröffnen sich so neue Perspektiven, auch wenn der Krankheitsverlauf weiterhin eine Belastung bleibt. Die medikamentöse Verlangsamung der Progression kann Pflegebedürftigkeit hinauszögern und so etwa die emotionale und finanzielle Situation stabilisieren.
Die Zulassung von Donanemab verdeutlicht, dass der Kampf gegen Alzheimer in einer kritischen Phase angekommen ist: Es gibt wirksame Ansätze, allerdings verbunden mit Vorsicht und einem hohen Anspruch an Präzision im Umgang mit Patient:innen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich Diagnoseverfahren und Therapiekonzepte weiterentwickeln und wie das Gesundheitssystem den steigenden Anforderungen gerecht werden kann.
Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).