Bayerns Almwirtschaft vor dem Aus? Bauernverband fordert konsequente Wolfskontrolle und kritisiert EU-Entwaldungsverordnung

Bei der Hauptalmbegehung in Oberbayern warnt Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner, dass die Rückkehr des Wolfs ohne aktives Bestandsmanagement die Almwirtschaft, ihr Kulturgut und ihre wirtschaftliche Grundlage gefährdet. Er fordert statt weiterer Prüfaufträge ein konsequentes Vorgehen gegen territorial etablierte Wolfsrudel in sensiblen Gebieten. Nur so lasse sich die Zukunft der bayerischen Almen sichern.
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– Bayerischer Bauernverband fordert aktives Wolfs-Bestandsmanagement und Jagdrecht für Wölfe in alpinen Regionen
– Geplante EU-Entwaldungsverordnung belastet Familienbetriebe mit überzogenen Dokumentationspflichten
– Verordnung verlangt Nachweis der Entwaldungsfreiheit seit 2020, inklusive Tiergeolokalisierung

Felßner warnt vor Wolfsexpansion und fordert entschlossenes Handeln für den Erhalt der Almwirtschaft

Die aktuelle Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbands bringt die Sorge um die Zukunft der Almwirtschaft in Bayern deutlich auf den Punkt. Anlass ist die Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, bei der Bauernpräsident Günther Felßner eindringlich vor den Folgen der zunehmenden Wolfspopulation im Alpenraum warnte. Für Felßner ist klar: „Ohne aktives Bestandsmanagement hat Almwirtschaft keine Zukunft.“

Die Rückkehr des Wolfs stellt für ihn nicht nur eine ökologische Herausforderung dar, sondern bedroht unmittelbar die Lebensgrundlage der Bergbauern. „Wenn der Wolf zurückkehrt, gehen die Almen und Alpen vor die Hunde“, betont Felßner und unterstreicht die doppelte Bedeutung der Almen als Lebensraum, Kulturgut und Wirtschaftsgrundlage, die es zu schützen gilt. Die aktuellen Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit: Während Deutschland in der atlantischen Region erstmals einen günstigen Erhaltungszustand für den Wolf melden konnte, bleibt der Status für die kontinentale Region – zu der Bayern gehört – „unbekannt“, und die alpine Region wurde bisher überhaupt nicht bewertet.

Felßner fordert deshalb klare politische Maßnahmen statt weiterer Prüfaufträge: „Der Wolf ist längst wieder da, er vermehrt sich und verdrängt die Almwirtschaft. Wir brauchen keine weiteren Prüfaufträge – wir brauchen konsequentes Handeln.“ Er fordert die Bundesregierung auf, den Schutzstatus des Wolfs anzupassen und ihn in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen, um eine Regulierung zu ermöglichen.

Besondere Sorge bereitet Felßner die Situation in Gebieten, in denen Herdenschutz nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich ist. Hier sieht er das Risiko, dass sich territoriale Wolfsrudel dauerhaft etablieren, was er als große Sorge beschreibt. „In bestimmten naturräumlichen Regionen – insbesondere dort, wo Herdenschutz dauerhaft nicht oder nur unter unverhältnismäßigem Aufwand realisierbar ist – sehen wir eine dauerhafte Etablierung von territorialen Wolfsrudeln mit großer Sorge. In diesen sensiblen Gebieten muss es daher das Ziel sein, eine Ansiedlung standorttreuer Wölfe von vornherein zu verhindern.“

Neben der Wolfsthematik kritisiert Felßner auch die geplante EU-Entwaldungsverordnung, die ab dem 30. Dezember 2025 in Kraft treten soll. Sie verlangt von Unternehmen, den Nachweis zu erbringen, dass seit dem 31. Dezember 2020 keine Flächen für die Produktion von Holz, Soja oder Rindfleisch entwaldet wurden. Dabei sollen Länder in Risikokategorien eingeteilt werden, wobei Länder mit relativ niedrigem Entwaldungsdruck wie Deutschland einem höheren Maß an Dokumentationspflichten unterliegen als andere Staaten. Felßner bezeichnet diese Anforderungen als absurd: „Die bayerischen Bergbauern sollen für jedes Tier per Satellitenortung zeigen, dass kein Baum gefällt wurde – das ist absurd.“

Die Forderungen des Bauernpräsidenten veranschaulichen das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und europäischen Vorschriften. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass der Erhalt der Almwirtschaft durch eine ausgewogene und praxisnahe Regulierung des Wolfsbestands sowie durch realistische Vorgaben bei der Umsetzung von Umweltverordnungen gesichert werden muss. Die Pressemitteilung signalisiert deutlich, dass für die bayerischen Bergbauern Handlungsbedarf besteht – sowohl politisch als auch auf europäischer Ebene.

Almwirtschaft im Wandel: Zwischen Naturschutz, Wirtschaft und Tradition

Die Almwirtschaft in Bayern steht vor erheblichen Herausforderungen, die weit über reine Agrarfragen hinausgehen. Im Zentrum der aktuellen Debatten stehen zwei Themenkomplexe, die tiefgreifende Auswirkungen auf Landschaft, Biodiversität und das wirtschaftliche Überleben der bäuerlichen Familienbetriebe haben: Die Rückkehr und Ausbreitung des Wolfs sowie die geplante EU-Entwaldungsverordnung. Beide lösen intensive gesellschaftliche Konflikte aus, die die Rolle der Almwirtschaft in der heutigen Zeit grundlegend hinterfragen.

Der Wolf ist ein emotional aufgeladenes Thema. Sein Wiederauftauchen betrifft nicht nur den Naturschutz, sondern berührt die Existenzgrundlage vieler Almwirte. Wie Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbands, betont, „Wenn der Wolf zurückkehrt, gehen die Almen und Alpen vor die Hunde.“ Dies beruht auf der Sorge, dass junge, weidende Tiere durch Wolfsrisse verloren gehen, Herdenschutz oft nicht ausreichend oder mit unvertretbarem Aufwand umzusetzen ist. In sensiblen naturräumlichen Regionen, in denen sich territoriallebende Wolfsrudel etablieren, könnte dies die Almwirtschaft stark beeinträchtigen oder gar verdrängen. Die emotionale Dimension des Themas rührt nicht zuletzt daher, dass Almen für viele Menschen nicht nur Produktionsflächen, sondern auch Kulturgut und Teil der ländlichen Identität sind.

Die Auswirkungen eines strikten Rückgangs der Almwirtschaft durch Wolfseinfluss oder mangelnde Schutzmaßnahmen wären umfassend:

  • Verlust von traditionell geprägten Kulturlandschaften mit artenreichen Almwiesen
  • Rückgang der biologischen Vielfalt, die durch nachhaltige Weidewirtschaft gefördert wird
  • Wegfall einer wichtigen Einkommensquelle für bäuerliche Familien und Rückgang ländlicher Strukturen
  • Erhöhte Waldaufwüchse durch fehlende Beweidung, die das Landschaftsbild verändern und potenziell Waldbrände begünstigen

Ein weiteres Spannungsfeld ergibt sich aus der EU-Entwaldungsverordnung, die ab Dezember 2025 in Kraft treten soll. Ziel ist es, die Entwaldung im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Produkten wie Holz, Soja und Rindfleisch zu verhindern. Doch die vorgelegten Regelungen bringen für die bayerischen Bergbauern immense bürokratische Anforderungen mit sich. Sie müssen etwa Geolokalisierungsdaten für jedes Tier, jede Weide und Schlachthof vorlegen, um nachzuweisen, dass keine illegalen Waldrodungen stattgefunden haben. Für viele Familienbetriebe ist dies unverhältnismäßig und kaum praktikabel. Felßner kritisiert die Vorgaben scharf und bezeichnet die Situation für die heimischen Almwirte als „absurd“.

Diese Maßnahmen stehen beispielhaft für das Spannungsfeld zwischen ökologischer Nachhaltigkeit, politischen Anforderungen und den praktischen Möglichkeiten der Almwirtschaft. Das Ziel eines Miteinanders von Naturschutz und Landwirtschaft erfordert daher differenzierte Lösungen. Von politischer Seite stellt sich die Frage, wie der Schutz wilder Tierpopulationen mit der Erhaltung traditioneller Wirtschaftsweisen in Einklang gebracht werden kann. Auch die Einteilung der EU-Mitgliedstaaten in Risikokategorien bei der Entwaldungsverordnung wird unterschiedlich beurteilt und wirkt sich unmittelbar auf die lokalen Wirtschaftszweige aus.

Die nächsten Schritte werden zeigen, wie die politischen Entscheidungsträger diese Konflikte bearbeiten. Ein Schlüsselthema bleibt das aktive Bestandsmanagement beim Wolf, das Felßner als unverzichtbar für die Zukunft der Almwirtschaft bezeichnet: „Ohne aktives Bestandsmanagement hat Almwirtschaft keine Zukunft.“ Zugleich müssen praktikable Lösungen bei der Umsetzung der Entwaldungsverordnung gefunden werden, die die bäuerlichen Familienbetriebe nicht überfordern.

Die Debatten um Wolf und Entwaldung spiegeln damit grundsätzliche gesellschaftliche Entwicklungen wider, in denen Umwelt- und Naturschutz zunehmend an Bedeutung gewinnen. Zugleich zeigen sie, wie wichtig es ist, die Interessen der Landwirtsfamilien zu berücksichtigen, die mit der Almwirtschaft auch einen Beitrag zum Erhalt lebendiger Kulturlandschaften leisten. Das Spannungsfeld wird in den kommenden Monaten und Jahren politisch und gesellschaftlich weiterverhandelt werden müssen – mit Augenmaß und auf der Basis konkreter regionaler Situationen.

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbands.

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9 Kommentare

  1. …und was denkt ihr über den Einfluss dieser Verordnungen auf unsere Umwelt insgesamt? Es scheint mir wichtig zu sein, einen Mittelweg zu finden, der alle berücksichtigt.

  2. Die Bedenken um die Almen sind berechtigt! Wenn die Wölfe sich ausbreiten und keine Lösungen gefunden werden, könnte das katastrophale Folgen haben für unsere Traditionen in Bayern.

    1. …aber was wäre ein guter Weg, um einen Ausgleich zwischen Wölfen und Landwirtschaft zu schaffen? Ich hoffe auf konstruktive Diskussionen.

    2. …ja! Und ich hoffe auch auf mehr Unterstützung von der Politik für unsere Bauern! Die sollten wirklich besser geschützt werden!

  3. Die Rückkehr des Wolfs wird sicherlich eine Herausforderung für die Almwirtschaft darstellen. Ich frage mich, ob es alternative Lösungen gibt, um Herdenschutz effektiver zu gestalten? Vielleicht könnten mehr Informationen zur Verfügung gestellt werden.

  4. Die EU-Entwaldungsverordnung macht mir auch Sorgen. Ist es wirklich nötig, so viel Bürokratie für die Bauern einzuführen? Das könnte viele Familienbetriebe belasten. Was denkt ihr über die Vorschläge von Felßner?

    1. Ich stimme zu! Manchmal scheinen solche Regelungen übertrieben. Wie können wir das Gleichgewicht zwischen Naturschutz und Landwirtschaft finden?

    2. Ich finde es auch absurd, dass Landwirte so viele Nachweise erbringen müssen. Es ist doch schon schwer genug, alles am Laufen zu halten!

  5. Ich finde die Sorgen der Bauern über den Wolf sehr verständlich. Es ist wichtig, die Almwirtschaft zu schützen. Aber wie können wir sicherstellen, dass sowohl der Wolf als auch die Bauern ihre Plätze haben? Gute Punkte wurden hier angesprochen!

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