– Alfred Enderle wurde einstimmig zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Milchwirtschaftlichen Vereins Bayern gewählt.
– Der Verein fördert die bayerische Milchwirtschaft und betreibt ein europaweit einmaliges Kompetenzzentrum in Kempten.
– Joachim Koch bleibt zweiter Vorsitzender; weitere Vertreter der Milcherzeuger wurden in den Vorstand gewählt.
Alfred Enderle führt künftig den Milchwirtschaftlichen Verein Bayern
München, 16. Dezember 2025 – Der Milchwirtschaftliche Verein Bayern e. V. (MVB) hat einen neuen Vorsitzenden. Die Mitglieder wählten Alfred Enderle aus Wertach im Oberallgäu einstimmig zum Vorstandsvorsitzenden. Er folgt auf Elmar Karg, der für die turnusgemäßen Vorstandswahlen nicht erneut kandidierte.
Carl von Butler, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands (BBV), sieht in der Personalie klare Perspektiven: „Die Wahl von Herrn Enderle schafft große Chancen für die bayerische Milch- und Molkereiwirtschaft.“ Enderle ist selbst Milcherzeuger und bereits Vorsitzender des Milchprüfrings Bayern.* Von Butler betont die Synergien dieser Doppelfunktion: „Alfred Enderle kann in seiner Funktion beim Milchprüfring einerseits und beim Milchwirtschaftlichen Verein andererseits Themen und notwendige Entwicklungen ganzheitlich betrachten und mit Zustimmung der jeweiligen Gremien voranbringen.“
Zweiter Vorsitzender bleibt Joachim Koch von Edelweiß Kempten. In den Vorstand gewählt wurden zudem die Milcherzeuger-Vertreter Andreas Schmid und Gerhard Miller. Sämtliche Wahlvorschläge – sowohl die des BBV Schwaben für die Erzeugerseite als auch jene weiterer Verbände der Genossenschaften und der privaten Milchwirtschaft – fanden einstimmige Zustimmung.* Der Bayerische Bauernverband dankte dem scheidenden Vorsitzenden Elmar Karg für seinen großen Einsatz für die Allgäuer Milchwirtschaft.
Die bayerische Milchwirtschaft in Zahlen: Produktion und Struktur
Bayern hält seit Jahren die Spitzenposition in der deutschen Milcherzeugung. Die Entwicklung von Produktionsmengen und Betriebsstrukturen zeigt eine Branche im Wandel: Während die Gesamtmenge stabil bleibt, verändert sich die Landwirtschaft dahinter grundlegend.
Entwicklung der Milchanlieferung (chronologisch)
Die Milchproduktion im Freistaat bewegt sich seit Jahren auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2019 lag die Milchanlieferung in Bayern bei rund 8,1 Millionen Tonnen; Bayern war damit deutlich größter Milchproduzent unter den Bundesländern*.
Bis 2021 stieg die Menge leicht an. Die Milchproduktion in Bayern belief sich in diesem Jahr auf rund 8,2 Millionen Tonnen, was etwa 32 Prozent der deutschen Erzeugung entsprach; Bayern war damit führendes Erzeugerland*.
Diese Entwicklung setzte sich fort. Im Jahr 2023 verarbeiteten bayerische Molkereien rund 8,3 Millionen Tonnen Milch, womit Bayern seinen Spitzenplatz in Deutschland behauptete*.
| Jahr | Milchanlieferung/Verarbeitung (in Mio. Tonnen) | Quelle/Stand |
|---|---|---|
| 2019 | 8,1 | Statistisches Bundesamt, Stand 2019* |
| 2021 | 8,2 | Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Stand 2021* |
| 2023 | 8,3 | Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Stand 2023* |
Betriebs- und Bestandsstruktur
Hinter den stabilen Produktionszahlen steht ein tiefgreifender Strukturwandel. Die Milchkuhbestände in Bayern machten 2020 mit rund 1,1 Millionen Milchkühen etwa ein Drittel des deutschen Bestands aus; der Durchschnitt lag bei rund 41 Kühen je Betrieb*.
Gleichzeitig sank die Zahl der Betriebe erheblich. Zwischen 2010 und 2020 ist die Zahl der Milchviehbetriebe in Bayern um rund 40 Prozent gesunken, während der durchschnittliche Tierbestand pro Betrieb deutlich anstieg*.
Die bayerische Milchwirtschaft zeigt sich in der Produktion robust, vollzieht aber einen anhaltenden Konzentrationsprozess bei den erzeugenden Betrieben.
Wirtschaftliche Bedeutung und Herausforderungen der bayerischen Milchwirtschaft
Die bayerische Milchwirtschaft ist ein ökonomisches Schwergewicht. Diese Bedeutung hat sich weiter gefestigt: Für 2023 wird der Umsatz der bayerischen Molkerei- und Käsereiwirtschaft mit Käse als wichtigstem Wertschöpfungsträger erwartet (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – Stand: 2023)*.
Umsatz- und Exportdaten
Die starke Exportorientierung unterstreicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Diese Abhängigkeit von internationalen Märkten birgt Chancen, aber auch Risiken, etwa bei schwankenden Weltmarktpreisen oder Handelskonflikten.
Politische und strukturelle Herausforderungen
Trotz ihrer wirtschaftlichen Stärke sieht sich die Branche einem komplexen Geflecht aus Herausforderungen gegenüber. Experten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft benennen für 2024 zentrale Problemfelder (Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Stand: 2024). Diese lassen sich in vier Kernbereiche bündeln:
- Kostenschübe bei Energie, Futtermitteln und Betriebsmitteln belasten die Wirtschaftlichkeit (Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Stand: 2024)*.
- Klimaschutz- und Tierwohlauflagen erfordern erhebliche Investitionen in Stallumbauten und neue Verfahren (Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Stand: 2024)*.
- Fachkräftemangel gefährdet die betriebliche Kontinuität und die Innovationskraft (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – Stand: 2024)*.
- Die Exportabhängigkeit macht die Branche anfällig für globale Marktturbulenzen (Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Stand: 2021)*.
Gleichzeitig reagieren Politik und Branche mit gezielten Maßnahmen. Parallel laufen umfangreiche Ausbildungsinitiativen (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – Stand: 2024)*. Diese Anstrengungen zeigen den Willen, die wirtschaftliche Bedeutung Bayerns als Milchland langfristig zu sichern.
Was kommt auf die neue MVB-Führung zu?
Die Wahl ist vollzogen, die Amtsübergabe läuft. Mit Alfred Enderle übernimmt ein erfahrener Praktiker den Vorsitz des Milchwirtschaftlichen Vereins Bayern (MVB). Die Erwartungen an seine Amtszeit sind hoch. Sie reichen von der Bewältigung akuter Marktherausforderungen bis zur strategischen Ausrichtung der gesamten Branche auf die Zukunft. Vier Handlungsfelder dürften dabei im Fokus stehen: die Förderung von Innovation, ein stringentes Qualitätsmonitoring, die Modernisierung der Aus- und Weiterbildung sowie ein verstärkter Dialog mit der Öffentlichkeit.
Mögliche Prioritäten: Innovation und Qualitätsmonitoring
Innovation bleibt ein zentraler Treiber für die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Milchwirtschaft. Die neue Vereinsführung steht vor der Aufgabe, bestehende Förderinstrumente noch gezielter zu nutzen und neue Impulse zu setzen. Die Kunst wird sein, Projekte zu identifizieren, die nicht nur technologisch fortschrittlich, sondern auch praxisnah und wirtschaftlich tragfähig sind – etwa in den Bereichen ressourceneffiziente Verarbeitung oder nachhaltige Verpackungslösungen.
Eng damit verbunden ist das Thema Qualitätssicherung. Der MVB trägt als Träger des Milchwirtschaftlichen Zentrums Bayern hier eine besondere Verantwortung. Ein modernes Qualitätsmonitoring könnte ein starkes Alleinstellungsmerkmal für „Bayerische Milch“ werden.
Aus- und Weiterbildung als Schlüssel
Die Transformation der Branche gelingt nur mit gut ausgebildeten Fachkräften. Die Weiterbildungsagenda für 2025, die vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwerpunkte wie Nachhaltigkeit, Klimaanpassung, Digitalisierung und Automatisierung setzt (Stand: 2025), liefert hierfür eine klare Marschroute. Der MVB muss seine etablierten Einrichtungen – von der Melkerschule bis zur Molkereifachschule – an diesen Zielen ausrichten.
Der Erfolg der neuen Führung wird sich letztlich daran messen lassen, wie sie diese Themen in konkrete Maßnahmen übersetzt. Die anstehenden Gremiensitzungen und die Erarbeitung des Jahresprogramms bieten die erste Gelegenheit, Richtung und Tempo vorzugeben. Wird es gelingen, die einzigartige Kompetenzbündelung des MVB vom Grünland bis zum Milchprodukt so zu nutzen, dass sie die Branche nicht nur stabilisiert, sondern zukunftsfest macht?
Dieser Beitrag basiert auf Informationen aus einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbands.
Weiterführende Quellen:
- „Im Jahr 2019 lag die Milchanlieferung in Bayern bei rund 8,1 Mio. Tonnen; Bayern war damit deutlich größter Milchproduzent unter den Bundesländern.“ – Quelle: https://www.destatis.de
- „Die Milchkuhbestände in Bayern machten 2020 mit rund 1,1 Mio. Milchkühen etwa ein Drittel des deutschen Bestands aus; der Durchschnitt lag bei rund 41 Kühen je Betrieb.“ – Quelle: https://www.statistik.bayern.de
- „Zwischen 2010 und 2020 ist die Zahl der Milchviehbetriebe in Bayern um rund 40 % gesunken, während der durchschnittliche Tierbestand pro Betrieb deutlich anstieg.“ – Quelle: https://www.stmelf.bayern.de
- „Die Milchproduktion in Bayern belief sich 2021 auf rund 8,2 Mio. Tonnen, was etwa 32 % der deutschen Erzeugung entsprach; Bayern war damit führendes Erzeugerland.“ – Quelle: https://www.lfl.bayern.de
- „Der Umsatz der bayerischen Ernährungswirtschaft lag 2021 bei rund 26 Mrd. Euro, davon entfiel ein erheblicher Anteil auf die Molkerei- und Käsereiwirtschaft.“ – Quelle: https://www.stmelf.bayern.de
- „Die bayerische Milchwirtschaft ist stark exportorientiert: 2021 wurden rund 40 % der in Bayern erzeugten Milchmenge bzw. daraus hergestellte Produkte exportiert.“ – Quelle: https://www.lfl.bayern.de
- „In Bayern wurden 2024 rund 300 Milchtechnologinnen und Milchtechnologen sowie etwa 80 milchwirtschaftliche Laborantinnen/Laboranten in überbetrieblichen Kursen und Fachschulen aus- bzw. fortgebildet.“ – Quelle: https://www.stmelf.bayern.de
- „Der Freistaat Bayern fördert 2024/2025 Innovationsprojekte in der Milchwirtschaft mit einem Fördervolumen von rund 15 Mio. Euro, u.a. zu ressourcenschonender Milchverarbeitung und digitalem Qualitätsmonitoring.“ – Quelle: https://www.stmwi.bayern.de
- „Laut LfL gelten für die Milchwirtschaft in Bayern 2024 zentrale Herausforderungen wie Kostenschübe, Klimaschutz- und Tierwohlauflagen, Fachkräftemangel sowie eine zunehmend kritische öffentliche Debatte über Tierhaltung.“ – Quelle: https://www.lfl.bayern.de
- „Ein Schwerpunkt des StMELF-Fachprogramms 2025 für die Aus- und Weiterbildung in der Milchwirtschaft liegt auf Nachhaltigkeit, Klimaanpassung, Digitalisierung und Automatisierung in Stall und Molkerei.“ – Quelle: https://www.stmelf.bayern.de
- „Im Jahr 2023 verarbeiteten bayerische Molkereien rund 8,3 Mio. Tonnen Milch, womit Bayern seinen Spitzenplatz in Deutschland behauptete.“ – Quelle: https://www.lfl.bayern.de
- „Die bayerische Molkerei- und Käsereiwirtschaft erzielte 2023 einen geschätzten Umsatz von rund 9–10 Mrd. Euro, wobei Käse den größten Wertschöpfungsanteil ausmachte.“ – Quelle: https://www.stmelf.bayern.de
8 Antworten
„Alfred Enderle als Vorsitzender“ klingt nach einer guten Wahl! Ich hoffe er kann die Themen gut angehen und auch neue Wege finden um die Qualität zu sichern! Wer hat Ideen dazu?
„Der Fokus auf Innovation“ klingt vielversprechend! Ich denke, wenn wir neue Technologien nutzen können, könnten wir die Effizienz steigern und gleichzeitig umweltfreundlicher arbeiten. Welche Technologien haltet ihr für am vielversprechendsten?
„Nachhaltige Verpackungen“ sind ein tolles Thema! Wir müssen auch darauf achten, wie unsere Produkte wahrgenommen werden und ich glaube das kann helfen!
Die Entwicklung der Milchanlieferung in Bayern ist wirklich beeindruckend! Ich finde es toll, dass wir so viel Milch produzieren. Was denkt ihr über die Veränderungen in der Betriebsstruktur? Gibt es da langfristige Lösungen?
Ich denke, die Veränderungen sind notwendig. Die Anzahl der Betriebe sinkt zwar, aber vielleicht können größere Betriebe effizienter arbeiten? Es wird interessant sein zu sehen, wie das langfristig funktioniert.
Ich stimme zu! Aber ich hoffe auch, dass kleinere Betriebe nicht ganz verschwinden. Sie bringen Vielfalt und Tradition in unsere Landschaft!
Ich finde die Wahl von Alfred Enderle zum Vorsitzenden des Milchwirtschaftlichen Vereins Bayern echt spannend. Es ist wichtig, dass die Milchwirtschaft in Bayern so gut bleibt. Welche Ideen hat er für die Zukunft? Ich hoffe, er bringt frischen Wind! Vielleicht sollten wir mehr über nachhaltige Praktiken diskutieren.
Ja, das ist ein guter Punkt! Nachhaltigkeit ist super wichtig. Ich frage mich, wie der Verein mit den Herausforderungen umgeht, wie z.B. dem Fachkräftemangel und den hohen Kosten für Futtermittel.