Antibiotikaresistenz in der Massentierhaltung: Gefahr für Lebensmittelsicherheit durch resistente Keime in Hähnchenfleisch

Bei einem Drittel der untersuchten Hähnchenfleischproben aus Massentierhaltung wurden antibiotikaresistente Keime nachgewiesen, während Biofleisch deutlich seltener betroffen war. Das belegt: Der routinemäßige Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung gefährdet nicht nur Tierwohl, sondern auch die Gesundheit von Verbraucher:innen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb Politik und Handel auf, umgehend höhere Haltungsstandards einzuführen und den Antibiotikaverbrauch bis 2028 drastisch zu reduzieren.
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– DUH-Stichprobe: Ein Drittel konventioneller Hähnchenproben mit antibiotikaresistenten Keimen, ökologisch nur 2/30.
– DUH fordert Reserveantibiotika-Verbot in Nutztierhaltung und strengere Regulierung bis 2028.
– Supermärkte sollen bis 2028 auf Lieferketten mit höheren Haltungsstufen umstellen.

Antibiotikaresistente Keime im Hähnchenfleisch: Eine ernste Bedrohung für Gesundheit und Tierwohl

Bei einem Drittel der getesteten Hähnchenfleischprodukte aus der Massentierhaltung wurden antibiotikaresistente Erreger nachgewiesen. Genauer gesagt fanden sich in 11 von 35 Proben solche Keime. Im Vergleich dazu waren nur 2 von 30 Proben aus dem ökologischen Anbau betroffen. Diese erschreckende Realität birgt nicht nur ein großes Leid für die Tiere, sondern stellt auch eine direkte Gefahr für die menschliche Gesundheit dar.

Laut DUH sterben täglich beinahe 100 Menschen in Europa an Infektionen, die durch antibiotikaresistente Keime verursacht werden. „Dieses Ergebnis belegt erneut, wie gesundheitsgefährdend Massentierhaltung für uns Menschen ist. Landwirtschaftsminister Özdemir muss endlich handeln und Qualzucht ebenso wie diesen unnötigen Antibiotikaeinsatz stoppen.“

Supermärkte und Discounter stehen in der Pflicht, ihre Lieferketten zu überdenken und von Lieferanten, die noch auf Qualzucht und Massentierhaltung setzen, abzurücken. Konkret schlägt die DUH einen Umstieg auf höhere Haltungsstufen vor und fordert diesen bis spätestens 2028.

Interessierte Konsumentinnen und Konsumenten können auf der Webseite blitzrechner.de/fleisch berechnen, wie viel Antibiotika in den Tieren enthalten ist, die sie essen. Durchschnittlich erhalten die Tiere, die ein Deutscher innerhalb von 10 Jahren verzehrt, 556 Tagesdosen Antibiotika – zum Vergleich: Ein Arzt verschreibt einem Menschen in Deutschland im selben Zeitraum nur 47 Tagesdosen.

Was der neue Antibiotika-Alarm für Verbraucher und Politik bedeutet

Antibiotikaresistente Keime sind zu einer ernsten Bedrohung für Gesellschaft und Gesundheit geworden. Diese Bakterien haben sich so verändert, dass sie gegen die Wirkung von Antibiotika immun sind. Dadurch werden Infektionen schwieriger zu behandeln und können schwerwiegende Folgen haben. Der Weg der resistenten Keime in die Nahrungskette beginnt oft bei der Massentierhaltung, in der Antibiotika regelmäßig eingesetzt werden, um Krankheiten vorzubeugen oder Wachstum zu fördern. So gelangen resistente Bakterien auf Fleisch und andere Lebensmittel und schließlich zum Verbraucher.

Der Unterschied zwischen Massentierhaltung und ökologischer Landwirtschaft ist dabei entscheidend. Während in der Massentierhaltung der Antibiotikaeinsatz häufig hoch und teilweise vorbeugend erfolgt, setzt die ökologische Landwirtschaft auf artgerechte Tierhaltung und verzichtet größtenteils auf Antibiotika. Dies reduziert das Risiko der Entstehung und Verbreitung resistenter Keime erheblich.

Das Problem betrifft nicht nur einzelne Verbraucher, sondern die gesamte Gesellschaft. Menschliche Gesundheit, öffentliche Versorgungssysteme und die Landwirtschaft stehen vor großen Herausforderungen. Die aktuelle Brisanz ergibt sich aus zunehmenden Berichten über resistente Keime in Lebensmitteln und der gesamtgesellschaftlichen Gefahr, dass wir bald in eine Resistenzfalle geraten, in der viele Antibiotika wirkungslos werden.

Wie Antibiotikaresistenz zur Gefahr wird

Die Ausbreitung resistenter Keime macht Infektionen zunehmend schwieriger behandelbar. Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, steigen die Risiken für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle. Verbraucher können sich durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder den direkten Kontakt mit belasteten Tieren anstecken. Auch die Umwelt wird durch die Verbreitung dieser Keime belastet, was die gesamte Gesundheitslage verschärft.

Wege aus der Resistenzfalle: Was jetzt passieren muss

Eine nachhaltige Lösung erfordert gemeinsames Handeln von Politik, Handel und Verbrauchern. Dafür ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika in der Tierhaltung dringend notwendig. Zugleich muss der Schutz der Verbraucher durch konsequente Kontrollen und Aufklärung gestärkt werden. Zudem spielt die Förderung ökologischer und tiergerechter Landwirtschaft eine Schlüsselrolle, um die Entstehung resistenter Keime zu reduzieren.

Wichtige Handlungsoptionen umfassen:

  • Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Landwirtschaft
  • Förderung von ökologischer Tierhaltung
  • Stärkere Kontrollen und Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette
  • Aufklärung der Verbraucher über Risiken und Schutzmöglichkeiten
  • Entwicklung und Förderung alternativer Behandlungsstrategien

Nur durch ein koordiniertes Vorgehen kann die Ausbreitung antibiotikaresistenter Keime eingedämmt und die Gesundheit von Mensch und Tier geschützt werden.


Für weitere Informationen, Pressekontakte, Bilder oder Dokumente geht es hier zur Quelle mit dem Originaltitel:
Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe: Jede dritte Hähnchenfleischprobe aus …

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