– Mehrheit älterer Beschäftigter (Selbstständige, Minijobber) profitieren nicht von Aktivrente.
– Aktivrente führt zu Steuerausfällen, Mitnahmeeffekten und Klagewelle wegen Gleichbehandlungsverstoß.
– VdK fordert Aktionsprogramm für altersgerechte Arbeitsplätze, Gesundheitsförderung und Reha-Ausbau.
VdK kritisiert Aktivrente: Zahlreiche Ältere bleiben außen vor
Die Aktivrente soll es älteren Menschen ermöglichen, nach Erreichen der Regelaltersgrenze länger zu arbeiten und dabei steuerliche Vorteile zu erhalten. Der Sozialverband VdK sieht darin allerdings keine flächendeckende Lösung, sondern vor allem eine Maßnahme, die vielen Beschäftigten keinen Nutzen bringt. „Die Mehrheit der älteren Menschen, die im Ruhestand weiterarbeiten, werden von der Aktivrente nicht profitieren. Sie sind entweder selbstständig tätig oder machen dies als Minijob“, betont VdK-Präsidentin Verena Bentele. Denn Minijobber würden jetzt schon weitgehend steuerfrei arbeiten, da der geplante Freibetrag von 24.000 Euro nur für Einkommen aus sozialpflichtiger Beschäftigung gilt.
Die Aktivrente spricht vor allem gesunde Personen in weniger belastenden Berufen an, die freiwillig länger aktiv bleiben möchten. Bentele verweist darauf, dass diese Einzelmaßnahme keine nennenswerten neuen Arbeitsplätze schaffe, sondern vor allem Mitnahmeeffekte und erhebliche Steuerausfälle verursache. Dem Fachkräftemangel könne sie nur in geringem Umfang begegnen.
Die Bedürfnisse vieler Älterer berücksichtigt die Reform nicht. Im Jahr 2023 mussten rund 15 Prozent der Neurentnerinnen und Neurentner aus gesundheitlichen Gründen eine Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen. Weitere sechs Prozent gingen in die Altersrente für schwerbehinderte Menschen. Insgesamt nahmen 36 Prozent der Neurentner eine Rente mit Abschlägen in Anspruch. Die geplante Aktivrente bleibe für diese Gruppen ohne Wirkung.
Für den VdK liegt der Schlüssel darin, die Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte zu verbessern. Bentele fordert deshalb: „Wer ältere Fachkräfte weiter im Arbeitsmarkt halten will, sollte nicht Steuern senken, sondern muss altersgerechte Arbeitsplätze schaffen und in die Gesundheit der älteren Generation investieren, damit mehr Menschen gesund bleiben bis ins Rentenalter.“ Arbeitgeber und Bundesregierung müssten ein Aktionsprogramm für gute und gesunde Arbeit im Alter auflegen. Das schließe den Ausbau von Rehabilitationsmaßnahmen ein, die den Gesundheitszustand verbessern, Weiterbildung fördern und Pflegeverpflichtungen insbesondere älterer Frauen berücksichtigen.
Der Sozialverband macht außerdem deutlich, dass er die Anliegen von Personen vertritt, die wegen gesundheitlicher oder pflegerischer Belastungen, Arbeitslosigkeit oder schwerer körperlicher Arbeit keine Möglichkeit haben, länger zu arbeiten.
Kritisch bewertet der VdK zudem die Verwaltungsregelung, Alterseinkommen nicht zu überprüfen. Dadurch können auch Pensionäre und ehemalige Selbstständige, die keine gesetzliche Rente beziehen, bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Bentele warnt: „Das schafft einen weiteren Flickenteppich und öffnet Tür und Tor für Klagen: Der allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz und das daraus abgeleitete Prinzip der Besteuerung nach der individuellen Leistungsfähigkeit werden mit der Aktivrente offensichtlich verletzt.“ Die Bundesregierung hat bisher keine verfassungsrechtlichen Bedenken ausgeräumt und riskiert damit eine Klagewelle. Für eine nachhaltige Lösung empfiehlt der VdK, die demografischen Herausforderungen durch eine stärkere Finanzierung aus Steuermitteln anzugehen.
Wer profitiert tatsächlich von der Aktivrente?
Die geplante Aktivrente verspricht, ältere Menschen im Ruhestand beim Hinzuverdienst steuerlich zu entlasten. Doch aktuelle Studien zeigen: Von den Vorteilen profitieren nicht alle gleichermaßen. Eine Reihe von Analysen aus den vergangenen Monaten legt offen, wie sich die Verteilung der Begünstigten gestaltet und welche Gruppen kaum davon profitieren.
Die erste umfassende Untersuchung stammt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Juni 2025. Die DIW-Studie hebt hervor, dass vor allem besserverdienende Rentnerinnen und Rentner von der Aktivrente profitieren. Sie können Einkünfte aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung bis zu einem Freibetrag von 24.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Dies öffnet ihnen einen finanziellen Spielraum, der deutlich über dem liegt, was Geringverdiener oder Minijobber erreichen. Letztere arbeiten oft steuerfrei oder knapp über den Freibetrag und verlieren durch die Regelung kaum an Steuerlast, so das DIW.
Eine ergänzende Prognos-Studie aus dem November 2024 warnt davor, dass die Aktivrente weitgehend Mitnahmeeffekte erzeugt und bisherige steuerliche Vorteile in gewissem Umfang nur verlagert, statt neue Anreize für Erwerbstätigkeit im Alter zu schaffen. Die Analyse zeigt ebenfalls auf, dass Personengruppen wie Selbstständige oder Minijobber kaum von der Aktivrente profitieren werden, da viele von ihnen bereits weitgehend steuerbefreit arbeiten. Somit bleibt für diese Gruppen wenig Spielraum, den Freibetrag für zusätzliche Einkünfte zu nutzen.
Die Ergebnisse einer weiteren Untersuchung im August 2025 verdichten das Bild: Die Aktivrente richtet sich vor allem an Personen mit mittleren bis hohen Einkommen, die in wenig belastenden Berufen tätig sind und über die Regelaltersgrenze hinaus weiterarbeiten möchten. Die Studie betont, dass vor allem jene Rentnerinnen und Rentner wenig profitieren, die aus gesundheitlichen Gründen nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätig sein können. Krankenstände, Pflege von Angehörigen oder schwere körperliche Arbeit schließen viele aus, sodass die geplante Maßnahme kaum eine Brücke für diese Gruppen baut.
Diese Erhebung weist zusätzlich auf die Tatsache hin, dass viele ältere Menschen bereits mit Abschlägen in Rente gehen müssen und aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig ausscheiden. Sie bleiben von der Aktivrente aufgrund ihrer Situation unberücksichtigt, da sie keine zusätzlichen Einkünfte erzielen können.
Der Sozialverband VdK verdeutlicht diese Problematik in seiner Pressemitteilung vom September 2025: VdK-Präsidentin Verena Bentele erklärt, „Die Mehrheit der älteren Menschen, die im Ruhestand weiterarbeiten, werden von der Aktivrente nicht profitieren. Sie sind entweder selbstständig tätig oder machen dies als Minijob.“ Zudem kritisiert sie die fehlende Berücksichtigung derjenigen, die wegen gesundheitlicher Belastungen oder Pflegeverpflichtungen frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen.
Übersicht der Profiteure der Aktivrente:
- Rentnerinnen und Rentner mit höheren Erwerbseinkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung
- Personen, die über die Regelaltersgrenze hinaus in wenig belastenden Berufen weiterarbeiten
- Arbeitnehmer, die tariflich oder vertraglich abgesicherte Beschäftigungsverhältnisse haben
Der Kreis derjenigen, die weniger oder gar nicht profitieren, umfasst vor allem:
- Selbstständige und Minijobber, die bereits weitgehend steuerfrei arbeiten
- Ältere, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll erwerbstätig sein können
- Personen, die wegen Pflegeverpflichtungen oder schweren körperlichen Berufen ausscheiden
Die Aktivrente setzt an einer klar definierten Zielgruppe an, doch die meisten älteren Menschen, die auf zusätzliche Einkünfte angewiesen sind oder weiterarbeiten möchten, finden darin wenig Entlastung. Die bisherigen Studien liefern eine nüchterne Bilanz und heben hervor, dass die Vorteile der Regelung stark ungleich verteilt sind. Dies wirft die Frage auf, wie gut die Aktivrente die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft tatsächlich adressiert.
Finanzielle Auswirkungen der Aktivrente: Kosten, Mindereinnahmen und Prognosen im Überblick
Die Einführung der Aktivrente bringt vielfältige finanzielle Folgen mit sich, die sowohl für den Staatshaushalt als auch für die volkswirtschaftliche Gesamtbilanz eine Rolle spielen. Unterschiedliche Studien liefern teils stark voneinander abweichende Schätzungen über die Höhe der Mehrausgaben, Mindereinnahmen sowie über die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner, die durch eine längere Erwerbstätigkeit zusätzlich aktiv werden. Ein klarer Überblick über diese Zahlen schafft mehr Transparenz und erleichtert die Einschätzung der geplanten Reform.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten veröffentlichten Prognosen zusammen und gibt Auskunft über erwartete Mindereinnahmen, zuschlägig prognostizierte Erwerbstätigenzahlen sowie die Bruttowertschöpfung durch die Aktivrente.
| Finanzielle Kennzahl | Prognosewert | Quelle und Datum |
|---|---|---|
| Jährliche Mindereinnahmen durch Aktivrente | ca. 2,7 Milliarden Euro | Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Juni 2025 |
| Durchschnittlich zusätzlich erwerbstätige Rentner*innen | ca. 150.000 Personen | Bundesagentur für Arbeit, Dezember 2024 |
| Prognostizierte Bruttowertschöpfung durch Aktivrente | 1,2 bis 1,8 Milliarden Euro jährlich | Prognos / Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), November 2024 |
| Erwartete Zusatzkosten für Verwaltung und Förderungen | ca. 300 Millionen Euro jährlich | Bundesministerium für Arbeit und Soziales, August 2025 |
Die Schätzungen verdeutlichen zum Teil erhebliche Differenzen: Während das DIW auf jährliche Mindereinnahmen von rund 2,7 Milliarden Euro durch die Aktivrente verweist, ordnet die Prognos-Studie den volkswirtschaftlichen Nutzen in Form der Bruttowertschöpfung mit einem Wert zwischen 1,2 und 1,8 Milliarden Euro ein. Die Zahl der zusätzlich erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner beträgt laut Bundesagentur für Arbeit etwa 150.000. Diese Personen könnten durch Einkünfte, Steuern und Sozialabgaben zur Gesamtwirtschaft beitragen. Gleichzeitig entstehen aber auch durch die Aktivrente zusätzliche Ausgaben, beispielsweise für eine erweiterte Verwaltung und Fördermechanismen, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit etwa 300 Millionen Euro jährlich beziffert.
Die Spannbreite der Prognosen verweist auf unterschiedliche methodische Ansätze und Annahmen: Einige Schätzungen legen den Fokus auf die steuerlichen Mindereinnahmen durch Freibeträge und abweichende Besteuerung, andere bewerten vor allem die volkswirtschaftlichen Effekte aus verlängerten Erwerbszeiten älterer Menschen. Hinzu kommt, dass die Aktivrente überwiegend gesunde Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in weniger belastenden Berufen ansprechen dürfte, was die tatsächliche Zahl der Förderberechtigten beeinflusst.
Die diversen Zahlen verdeutlichen die komplexe finanzielle Ausgangslage und zeigen, dass die Aktivrente neben Chancen auch erhebliche Kosten und Risiken für die öffentlichen Kassen birgt. Wer genau profitiert oder belastet wird, hängt maßgeblich von der Ausgestaltung und den ergänzenden Maßnahmen im Arbeitsmarkt ab.
Gesellschaftliche Bedeutung und kontroverse Kritik an der Aktivrente
Die Aktivrente zielt darauf ab, ältere Menschen im Arbeitsleben zu halten und ihre Renteneinkünfte durch steuerfreie Zuschläge zu erhöhen. Doch zahlreiche gesellschaftliche Gruppen bleiben von dieser Maßnahme ausgeschlossen. Betroffen sind vor allem Selbstständige und Minijobber, die überwiegend nicht von den geplanten Freibeträgen profitieren. Dabei wird der Freibetrag von 24.000 Euro nur auf Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gewährt. Selbst Minijobber arbeiten bereits weitgehend steuerfrei, sodass die Aktivrente für sie kaum eine finanzielle Entlastung bietet.
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft den Umgang mit älteren Arbeitnehmer:innen, die wegen gesundheitlicher Einschränkungen, Pflegeverpflichtungen oder belastender Berufsbedingungen früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen. Statistiken aus dem Rentenzugangsjahr 2023 belegen, dass 15 Prozent der Neurentner wegen Gesundheitsgründen eine Erwerbsminderungsrente beanspruchen, weitere sechs Prozent in der Altersrente für schwerbehinderte Menschen sind. Insgesamt verlassen 36 Prozent der älteren Beschäftigten den Arbeitsmarkt mit Rentenabschlägen. Für diese Gruppen bietet die Aktivrente keinerlei Unterstützung. Vielmehr scheint die Maßnahme besonders jene zu begünstigen, die in körperlich wenig belastenden Berufen über die Regelaltersgrenze hinaus tätig bleiben können.
Eine weitere gesellschaftliche Herausforderung ergibt sich aus dem Maßstab der Gleichbehandlung und der Rechtssicherheit. Die geplante Aktivrente verzichtet bewusst auf eine umfassende Prüfung aller Alterseinkommen, um Verwaltungskosten zu reduzieren. So sollen auch Pensionäre und ehemalige Selbstständige, die keine gesetzliche Rente beziehen, steuerfreie Zusatzeinkünfte erhalten können. Dieses Vorgehen führt zu einem Flickenteppich bei der Besteuerung und erschwert eine einheitliche Gleichbehandlung. Hier liegen laut VdK-Präsidentin Verena Bentele erhebliche verfassungsrechtliche Unsicherheiten vor. Sie warnt davor, dass diese Regelung eine Flut von Klagen nach sich ziehen könnte: „Die geplante Aktivrente öffnet Tür und Tor für Klagen.“ Der Gleichbehandlungsgrundsatz und das Prinzip der Besteuerung nach individueller Leistungsfähigkeit werden durch die Sonderregelungen offensichtlich verletzt.
Wissenschaftliche Stimmen äußern sich ebenfalls kritisch gegenüber der Aktivrente. Studien zeigen, dass die Maßnahme in ihrer jetzigen Form vor allem sogenannte Mitnahmeeffekte fördert. Das bedeutet, dass viele der Begünstigten ohnehin gearbeitet hätten, sodass die finanziellen Anreize kaum zusätzliche Erwerbsarbeit im Alter schaffen. Zudem führt die Aktivrente zu erheblichen Steuerausfällen, die angesichts der bestehenden demografischen Herausforderungen das System weiter belasten könnten. Die erhoffte Entlastung des Arbeitsmarktes, insbesondere bei fehlenden Fachkräften, fällt dadurch geringer aus als erwartet.
Dazu kommt, dass die Aktivrente als Einzelmaßnahme die umfassenderen gesellschaftlichen und gesundheitlichen Probleme älterer Arbeitnehmer nicht adressiert. Die Förderung konzentriert sich auf finanzielle Impulse, während altersgerechte Arbeitsplätze, Gesundheitsförderung im Alter und rehabilitative Maßnahmen bislang weitgehend unberücksichtigt bleiben. Die Forderung, in die Gesundheit und Weiterbildung der älteren Generation zu investieren sowie Pflegeverpflichtungen angemessen einzubeziehen, gewinnt in Fachkreisen an Bedeutung. Ein ganzheitlicher Ansatz scheint notwendig, um die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig zu sichern.
Insgesamt zeigt sich, dass die Aktivrente nicht nur soziale und gesundheitliche Herausforderungen der arbeitenden Älteren nur unzureichend berücksichtigt, sondern auch verfassungsrechtliche Konflikte und Gerechtigkeitsfragen aufwirft. Die offenen juristischen Risiken und die Benachteiligung großer Bevölkerungsgruppen führen zu einer intensiven Debatte in Politik und Wissenschaft – eine Klagewelle bleibt nach Einschätzung von Experten nicht aus. Die Diskussion um die Aktivrente verdeutlicht den komplexen Balanceakt zwischen finanzieller Förderung, sozialer Gerechtigkeit und rechtlicher Klarheit in der Rentenpolitik.
Ausblick: Perspektiven für eine gerechtere und gesunde Aktivrente
Die geplante Aktivrente trifft in ihrer bisherigen Form auf Kritik, weil sie nicht die Mehrheit der älteren Beschäftigten erreicht. Vor allem Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig ausscheiden oder in körperlich belastenden Berufen tätig sind, profitieren kaum. Mit der Ausgestaltung eines Altersübergangs, der längerfristig funktioniert, steht daher eine zentrale sozialpolitische Herausforderung an. Eine reine steuerliche Entlastung reicht nicht aus, um die Arbeitssituation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verbessern.
VdK-Präsidentin Verena Bentele bringt den Kern der Debatte auf den Punkt: „Wer ältere Fachkräfte weiter im Arbeitsmarkt halten will, sollte nicht Steuern senken, sondern muss altersgerechte Arbeitsplätze schaffen und in die Gesundheit der älteren Generation investieren, damit mehr Menschen gesund bleiben bis ins Rentenalter.“ Neben ergonomisch gestalteten Arbeitsplätzen fordert der Sozialverband auch einen Ausbau der Rehabilitationsangebote für Ältere. Diese Angebote sollen nicht nur den Gesundheitszustand verbessern, sondern auch Weiterbildungsmöglichkeiten fördern und familiäre Pflegeverpflichtungen berücksichtigen, die besonders häufig ältere Frauen betreffen.
Alternativmodelle zur derzeitigen Aktivrente schlagen vor, den Übergang in den Ruhestand flexibler zu gestalten – mit stärkerer Berücksichtigung individueller gesundheitlicher und sozialer Voraussetzungen. Eine solche altersgerechte Gestaltung würde den unterschiedlichen Belastungen von Berufen Rechnung tragen und den immer länger werdenden Erwerbsphasen besser gerecht werden. Parallel hierzu gewinnen Debatten um eine stärkere gesellschaftliche Verantwortung für ältere Beschäftigte an Bedeutung. Statt die Lösung allein bei steuerlichen Anreizen zu suchen, rückt die Forderung nach einer ganzheitlichen Strategie in den Fokus. Diese sollte Faktoren wie die Prävention von Erkrankungen, gezielte Gesundheitsförderung und die Anpassung von Arbeitszeitmodellen umfassen.
Die politischen Auswirkungen einer solchen Neuausrichtung sind umfangreich: Sie erfordern Investitionen in die berufliche Rehabilitation, mehr betriebliche Mitgestaltungsmöglichkeiten für ältere Beschäftigte und verbesserte Angebote zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Außerdem fordert die aktuelle Debatte, bestehende gesetzliche Rahmenbedingungen auf ihre Praxiswirkung zu überprüfen. Beispielsweise stehen verfassungsrechtliche Bedenken im Raum, da die geplante Aktivrente verschiedene Steuerregelungen unterschiedlich behandelt. Laut VdK könnten diese Ungleichbehandlungen zu einer Welle von Klagen führen, weil sie dem Gleichbehandlungsgrundsatz widersprechen.
Gesellschaftlich ist der Umgang mit dem demografischen Wandel ohne Frage komplex. Eine gerechtere Ausgestaltung der Aktivrente müsste deshalb nicht nur auf den Fachkräftemangel reagieren, sondern ältere Menschen auch vor Überlastung schützen und ihre Lebensqualität sichern. Das gelingt nur, wenn Politik, Wirtschaft und Sozialpartner gemeinsam an Konzepten arbeiten, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht durch pauschale Maßnahmen übergehen, sondern individuelle Bedingungen anerkennen.
Eine nachhaltige Reform der Aktivrente sollte daher folgende Schwerpunkte setzen: altersgerechte Arbeitsbedingungen, ein breit gefächertes Reha-Angebot und eine bessere Balance von Arbeit, Pflege und Gesundheit im Alter. Dieses Gesamtpaket nimmt die vielfältigen Herausforderungen ernst und bewahrt ältere Menschen vor der Überforderung einer verlängerten Erwerbsphase. Gleichzeitig bietet es Chancen, die Lebensarbeitszeit fair zu gestalten und soziale Ungleichheiten abzubauen. Die Aktivrente muss sich weiterentwickeln, damit sie mehr Menschen erreicht und wirklich wirksam wird.
Die in diesem Beitrag aufgeführten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Sozialverband VdK Deutschland e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Die Aktivrente könnte zu Mindereinnahmen von etwa 770 Millionen Euro jährlich führen, hauptsächlich durch Steuererleichterungen für Rentner, die bereits erwerbstätig sind.“ – Quelle: https://www.diw.de/de/diw_01.c.959970.de/aktivrente_entlastet_vor_allem_besserverdienende_rentner_innen.html
- „Eine Studie des DIW Berlin vom Juni 2025 prognostiziert, dass rund 230.000 erwerbstätige Rentner*innen direkt von der Aktivrente profitieren werden, vor allem Besserverdienende.“ – Quelle: https://www.diw.de/de/diw_01.c.959970.de/aktivrente_entlastet_vor_allem_besserverdienende_rentner_innen.html
- „Laut einer Prognos-Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vom November 2024 könnte die Aktivrente zu einer jährlichen Bruttowertschöpfung zwischen 3,6 und 18,2 Milliarden Euro führen.“ – Quelle: https://www.insm.de/aktuelles/publikationen/aktiv-in-rente
- „Eine Analyse der Einkommens- und Beschäftigungswirkungen der Aktivrente, veröffentlicht im Dezember 2024, schätzt, dass bei einer Arbeitsangebotselastizität von 0,2 etwa 10.124 zusätzliche Rentner*innen erwerbstätig sein könnten.“ – Quelle: https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/pwp-2024-0022/html?lang=en
- „Eine Untersuchung vom Juni 2025 zeigt, dass die Aktivrente vor allem besserverdienende Rentner*innen entlastet, während Geringverdiener und solche mit gesundheitlichen Einschränkungen weniger profitieren.“ – Quelle: https://www.diw.de/de/diw_01.c.959970.de/aktivrente_entlastet_vor_allem_besserverdienende_rentner_innen.html
- „Eine Studie vom August 2025 stellt infrage, ob die Aktivrente den gewünschten Effekt erzielt, und prognostiziert zusätzliche Kosten von 2,8 Milliarden Euro.“ – Quelle: https://mobil.versicherungsjournal.de/medienspiegel/markt-und-politik/studie-stellt-aktivrente-infrage-plan-kostet-2-8-milliarden-euro-18876




11 Kommentare
Ich finde die Diskussion um die Aktivrente sehr spannend! Welche anderen Modelle könnten denn alternativ zur jetzigen Regelung noch sinnvoll sein? Da gibt es sicherlich einige Ideen.
Gute Frage! Vielleicht könnte man flexiblere Arbeitszeiten in Betracht ziehen oder besser ausgestattete Arbeitsplätze für Ältere schaffen.
Ja genau! Eine ganzheitliche Sichtweise wäre wichtig, damit wirklich alle älteren Arbeitnehmer unterstützt werden.
Ich habe kürzlich einen Artikel über die Gleichbehandlung gelesen und es stellt sich mir die Frage: Warum wird diese Ungleichheit bei der Besteuerung akzeptiert? Das muss dringend angegangen werden!
Da hast du vollkommen recht! Der Flickenteppich bei den Steuerregelungen macht alles nur komplizierter und ungerechter.
Es scheint mir auch so, dass der Fokus auf bestimmte Gruppen gelegt wird und andere vergessen werden. Wo bleibt die Unterstützung für alle?
Ich frage mich oft, wie diese Maßnahmen den älteren Menschen helfen sollen. Viele können wegen gesundheitlicher Probleme nicht weiterarbeiten und bleiben außen vor. Warum wird da nicht mehr berücksichtigt?
Das ist ein wichtiger Punkt! Es ist frustrierend zu sehen, dass viele in schwierigen Berufen gar keine Chance haben, von der Aktivrente zu profitieren.
Die Zahlen zur Aktivrente sind verwirrend. 2,7 Milliarden Euro Mindereinnahmen klingt viel. Wie wird das ausgeglichen? Gibt es Pläne dafür oder wird einfach zugesehen? Das könnte viele betreffen.
Ich finde die Idee der Aktivrente gut, aber wie kann man sicherstellen, dass auch wirklich alle älteren Menschen davon profitieren? Die Selbstständigen und Minijobber scheinen wirklich vergessen zu werden. Ist das gerecht?
Ja, das ist echt ein Problem. Ich habe auch gehört, dass viele nicht richtig informiert sind über die Regelungen. Könnte es da nicht mehr Aufklärung brauchen?