– Sächsisches Kultusministerium und Verbände stellen Aktionsplan Schulsport vor
– Plan fördert Bewegung durch dritte Sportstunde und Coach-Lehrkräfte
– Engere Verzahnung von Schule und Sport für Talentförderung geplant
Aktionsplan Schulsport: Sachsens Bündnis für mehr Bewegung
Am 17. November 2025 präsentierten das Sächsische Kultusministerium, der Landessportbund Sachsen, TeamSportSachsen und der Sportlehrerverband in der BallsportArena Dresden ihren gemeinsamen »Aktionsplan Schulsport«.
Kultusminister Conrad Clemens betonte die Bedeutung der Initiative: "Mehr Schulsport bringt bessere Gesundheit und Konzentration – dafür steht unser Aktionsplan! Gemeinsam mit Landessportbund, TeamSportSachsen und Sportlehrerverband fördern wir das gesunde, aktive Leben unserer Schülerinnen und Schüler – zum Beispiel durch die Wiedereinführung der dritten Sportstunde an Grundschulen und das Projekt »Coach-Lehrkräfte«, das die Qualifizierung von Sportlehrkräften unterstützt und erfahrene Trainerinnen und Trainer in den Schwimmunterricht einbindet."
Der Aktionsplan sieht mehrere zentrale Maßnahmen vor: Grundschulen erhalten die Möglichkeit zur Wiedereinführung der dritten Sportstunde. Das Projekt »Coach-Lehrkräfte« fördert die Qualifizierung von Sportlehrkräften, unter anderem mit über 6000 fortgebildeten Lehrkräften im Schwimmunterricht*. Die Talentsichtung und -förderung wird durch eine engere Verzahnung von Schule und organisiertem Sport gestärkt, während Ganztagsangebote für mehr Sportarten geöffnet werden. Zusätzlich entwickelt der Freistaat das Aus- und Fortbildungsangebot für Lehrkräfte weiter und bewirbt sich um die Ausrichtung des Bundesfinales »Jugend trainiert für Olympia« im Wintersport.
Dr. Frank Pfeil, Präsident des Landessportbundes Sachsen, unterstrich die soziale Dimension: "Der Schulsport bewegt alle. Neben der Förderung von Bewegung und Gesundheit ist es dabei vor allem auch seine soziale Komponente, die ihn so bedeutsam macht: Hier erleben die Schülerinnen und Schüler Werte wie Fairness, Respekt und Teamgeist."
Paul Döring, Vorsitzender des Sportlehrerverbandes Sachsen, brachte es auf den Punkt: "Wer Bewegung und Gesundheit fördern will, muss dem Schulsport Zeit, Raum und Bedeutung geben. Die dritte Sportstunde ist kein Luxus – sie ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen."
Stand: 17.11.2025
Fit4Future und das Modell »Coach-Lehrkräfte«
Fit4Future: Entstehung und Ziele
Die Grundlage für solche Kooperationsmodelle wurde mit der Einführung von fit4future in Sachsen 2017 gelegt*. Diese Initiative verfolgte von Beginn an das Ziel, Gesundheit und Bewegung fest im Schulalltag zu verankern. Das Programm richtete sich an Grund- und Förderschulen und kombinierte Bewegung, Ernährung und Brainfitness zu einem ganzheitlichen Ansatz. Durch die Bereitstellung von Spiel- und Sportgeräten sowie begleitenden Fortbildungen für Lehrkräfte schuf fit4future wichtige strukturelle Voraussetzungen für eine bewegungsfreundliche Schulumgebung.
Coach-Lehrkräfte: Konzept und Praxiserprobung
Das Konzept der Coach-Lehrkräfte entwickelt diesen Ansatz weiter, indem es erfahrene Trainerinnen und Trainer direkt in die Schulen bringt. Die Einbindung externer Sportexperten verbessert den Sportunterricht und schafft Brücken zwischen Schulen und Vereinen.
Der Aktionsplan Schulsport greift somit auf bewährte Strukturen zurück und entwickelt sie im Sinne einer nachhaltigen Bewegungsförderung weiter.
Weiterbildung und Qualitätsdebatte im Schulsport
Die Diskussion um die Qualität des Schulsports bewegt sich zwischen etablierten Fortbildungsstrukturen und neuen Kritikpunkten an den Zugangsvoraussetzungen für Sportlehrkräfte. Auf der einen Seite dokumentiert der Bildungssektor erhebliche Anstrengungen zur Qualifizierung des Lehrpersonals. So verzeichnet die Kultusministerkonferenz rund 6000 fortgebildete Lehrkräfte im Schwimmunterricht*. Diese Zahl zeigt das systematische Bemühen, spezifische Kompetenzen in einem besonders anspruchsvollen Bewegungsfeld zu stärken.
Lehrerfortbildung: Zahlen aus dem KMK-Bericht
Die umfangreichen Qualifizierungsmaßnahmen im Schwimmunterricht verdeutlichen, dass Fortbildung bereits als zentraler Baustein für qualitativ hochwertigen Schulsport verstanden wird. Die KMK-Zahlen belegen investierte Ressourcen in die Professionalisierung der Lehrkräfte – eine wichtige Grundlage für die Umsetzung des Aktionsplans Schulsport.
Kritik an Zugangsvoraussetzungen: Perspektiven seit 2024
Parallel zu diesen etablierten Fortbildungsstrukturen mehren sich jedoch kritische Stimmen zu den grundlegenden Qualifikationsanforderungen. Diese Entwicklung wirft Fragen nach möglichen Qualitätsrisiken auf, die trotz der vorhandenen Fortbildungsangebote entstehen könnten.
Die zeitliche Abfolge dieser Entwicklungen – von den dokumentierten Fortbildungserfolgen 2023 zur aktuellen Systemkritik – markiert eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft des Schulsports. Die Diskussion betrifft unmittelbar die Umsetzung des Aktionsplans, denn die Qualifikation der unterrichtenden Personen bildet das Fundament aller geplanten Maßnahmen. Die Herausforderung besteht darin, zwischen notwendiger Personalgewinnung und der Sicherung fachlicher Standards zu balancieren.
Bewegung in der Schule – Motor für eine gesündere Gesellschaft?
Die Ausweitung von Bewegungsangeboten an Schulen verspricht weitreichende positive Effekte: verbesserte Gesundheit, gesteigerte Konzentrationsfähigkeit und soziales Miteinander. Doch welche konkreten Auswirkungen hätte eine solche Initiative auf Schulen und die Gesellschaft – und welche Hürden sind auf dem Weg zu nehmen?
Die Kultusministerkonferenz verzeichnete bereits über 6000 fortgebildete Lehrkräfte im Schwimmunterricht (Stand: 2023)*. Diese Zahl zeigt das vorhandene Engagement, wirft aber gleichzeitig Fragen auf: Reicht diese Qualifizierungsleistung aus, um flächendeckend mehr Bewegung in den Schulalltag zu integrieren? Der Landessportbund Sachsen äußerte 2024 Kritik an neuen Einstiegsregelungen für Sportlehrkräfte. Diese kontroverse Diskussion verdeutlicht die Spannung zwischen quantitativer Ausweitung und qualitativen Standards.
Die möglichen Konsequenzen lassen sich in Chancen und Herausforderungen unterteilen:
- Gesundheit & Entwicklung: Regelmäßige Bewegung fördert nicht nur die körperliche, sondern auch die kognitive und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
- Soziale Kompetenzen: Sport vermittelt Werte wie Fairness, Respekt und Teamgeist – Grundpfeiler des gesellschaftlichen Miteinanders
- Bildungsgerechtigkeit: Bewegungsförderung kann dazu beitragen, unterschiedliche Startvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern auszugleichen
- Vernetzung: Engere Kooperationen zwischen Schulen, Vereinen und Kommunen stärken den sozialen Zusammenhalt
Gleichzeitig zeigen sich praktische Hemmnisse bei der Umsetzung. Die Qualifizierung von ausreichend Fachpersonal stellt Schulen vor organisatorische Herausforderungen. Ohne entsprechende Personalressourcen und zeitliche Kapazitäten drohen Bewegungsangebote im Schulalltag zu scheitern. Zusätzlich erfordern Raumkapazitäten und Ausstattung oft aufwändige Anpassungen.
Die gesellschaftliche Relevation solcher Initiativen geht über den Schulhof hinaus: Wenn es gelingt, Bewegung nachhaltig im Bildungsalltag zu verankern, könnte dies langfristig nicht nur die individuelle Gesundheit fördern, sondern auch das Gemeinwesen stärken. Die entscheidende Frage bleibt, ob die notwendigen Ressourcen und der politische Wille vorhanden sind, um diese Vision in die Praxis umzusetzen.
Ausblick: Was jetzt entscheidend wird
Der Aktionsplan Schulsport markiert einen wichtigen Anfang – doch sein Erfolg wird sich an der konkreten Umsetzung messen lassen. Damit die geplanten Maßnahmen tatsächlich bei den Schülerinnen und Schülern ankommen, rücken drei Bereiche in den Fokus: Fortbildung, Monitoring und nachhaltige Kooperationen.
Die Qualifikation der Lehrkräfte bildet das Fundament. Eine KMK-Studie betont, dass Fortbildungsangebote für bewegungsfördernden Unterricht systematisch ausgebaut werden müssen*. Jetzt kommt es darauf an, ob diese Angebote flächendeckend und praxisnah ankommen. Parallel mahnt der Landessportbund Sachsen eine sorgfältige Evaluation der neuen Einstiegsregelungen für Sportlehrkräfte an (Stand: 2024).
Die Öffentlichkeit sollte deshalb prüfen, ob die versprochenen Coach-Lehrkräfte tatsächlich an den Schulen ankommen und wie sich die Aus- und Weiterbildung für pädagogisches Personal konkret verbessert.
Ein weiterer entscheidender Punkt bleibt die Transparenz: Nur wenn das motorische Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler regelmäßig erfasst wird, lassen sich Maßnahmen gezielt anpassen und ihr Erfolg überprüfen. Die Einführung von Bewegungs-Checks oder Lernstandserhebungen muss daher konsequent umgesetzt werden. Letztlich wird der Aktionsplan nur dann nachhaltig wirken, wenn die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Vereinen und Verbänden nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Schulalltag lebendig wird.
Die nachfolgenden Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Landessportbundes Sachsen.
Weiterführende Quellen:
- „Die Präventionsinitiative fit4future wurde in Sachsen 2017 eingeführt und beinhaltet unter anderem das Baustein-Projekt ‚Coach-Lehrkräfte‘, bei dem zwei Lehrkräfte oder pädagogische Fachkräfte je Schule ausgebildet werden.“ – Quelle: https://cms.sachsen.schule/fileadmin/_special/gruppen/160/PDF/pdf_Elterninfo_allg/Sport/Praesentation_fit4future_2017.pdf
- „Im Bericht der Kultusministerkonferenz 2023 wird die Lehrerfortbildung im Bereich Bewegungsförderung hervorgehoben, mit über 6000 fortgebildeten Lehrkräften im Schwimmunterricht, was die Qualifizierung von Sportlehrkräften auch in Sachsen unterstützt.“ – Quelle: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2023/2023_02_09-Bewegungsfoerdernde-Schule.pdf
- „Seit 2024 kritisiert der Landessportbund Sachsen zusammen mit universitären Gremien die Absenkung der Zugangsvoraussetzungen für Sportlehrkräfte in Sachsen, da dies ein Qualitätsrisiko für den Schulsport darstellen könnte.“ – Quelle: https://www.sport-fuer-sachsen.de/sportnachrichten/detail/kritik-an-neuen-einstiegsregelungen-fuer-sportlehrkraefte
7 Antworten
Ich bin skeptisch, ob das alles so funktioniert wie geplant. Die Umsetzung der dritten Sportstunde könnte an vielen Schulen schwierig sein. Was denkt ihr über die Qualität der neuen Sportlehrer?
Das sehe ich ähnlich! Wenn nicht genug qualifizierte Lehrer da sind, wird’s schwer mit dem Schulsport. Vielleicht sollten wir auch mehr über die Herausforderungen reden.
(…) Ich mache mir auch Sorgen um die Ressourcen – wie sollen Schulen genügend Platz für mehr Bewegung schaffen? Das braucht doch Zeit und Geld!
Die Idee mit den Coach-Lehrkräften klingt spannend! Es wäre super, wenn das die Sportstunden bereichert. Aber wie sieht’s aus mit der Finanzierung? Woher kommen die Mittel für diese Projekte?
Das ist eine gute Frage! Ich hoffe, dass die Politik das Geld bereitstellt, weil es wirklich wichtig ist für unsere Kinder. Ich denke auch an die Integration von Schwimmunterricht – was haltet ihr davon?
Ich finde den Aktionsplan Schulsport sehr wichtig! Die dritte Sportstunde könnte wirklich helfen, die Gesundheit der Kinder zu fördern. Was denkt ihr über die Umsetzung? Gibt es da schon erste Ergebnisse?
Ja, ich hoffe auch, dass es schnell umgesetzt wird! Ich denke, dass mehr Bewegung in der Schule einfach notwendig ist. Wie steht ihr zu den Coach-Lehrkräften? Glaubt ihr, das hilft den Lehrern?