AG VZKM: GHA und SPECTARIS gründen Arbeitsgruppe für Krisenmedizin und Katastrophenschutz

Am 11. November 2025 haben die German Health Alliance und SPECTARIS die Arbeitsgruppe „Verteidigung, Zivil- und Katastrophenschutz Medizintechnik“ (AG VZKM) gegründet. Ziel ist es, die medizinische Infrastruktur in Krisenfällen widerstandsfähiger zu machen und Innovationen mit zivilen, militärischen und behördlichen Strukturen zu vernetzen. Die AG plant Pilotprojekte, Dialogformate und Positionspapiere, um konkrete Lösungen für den Ernstfall zu entwickeln.
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Inhaltsübersicht

– German Health Alliance und SPECTARIS gründen Arbeitsgruppe für Medizintechnik in Krisenfällen
– Ziel ist Vernetzung medizintechnischer Innovationen mit zivilen und militärischen Strukturen
– Arbeitsgruppe plant Pilotprojekte und Positionspapiere zur nationalen Krisenvorsorge

Medizintechnik-Branche gründet Arbeitsgruppe für Krisenvorsorge

Die German Health Alliance (GHA) und die Medizintechnik im Deutschen Industrieverband SPECTARIS haben die Arbeitsgruppe „Verteidigung, Zivil- und Katastrophenschutz Medizintechnik“ (AG VZKM) gegründet. Die Initiative reagiert auf wachsende sicherheitspolitische Herausforderungen und die Notwendigkeit, medizinische Infrastrukturen in Krisenfällen widerstandsfähig aufzustellen.

Pandemien, Naturkatastrophen, geopolitische Spannungen und strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen haben die Grenzen bestehender Versorgungsstrukturen aufgezeigt.

„Die Resilienz unserer Gesundheitsversorgung ist längst zu einer sicherheitspolitischen Kernaufgabe geworden. Die Gründung der AG VZKM ist ein wichtiger Schritt, um unterschiedliche Akteure zusammenzubringen, Innovationen sichtbar zu machen und konkrete Lösungen für den Ernstfall zu entwickeln“*, betont Heike Lange, Head MedTec der German Health Alliance (GHA).

Marcus Kuhlmann, Leiter Medizintechnik bei SPECTARIS, ergänzt: „Deutschland muss besser auf Krisen vorbereitet sein. Dazu braucht es eine engere Verzahnung von Medizintechnik-Industrie, Politik und Anwendern. Die AG VZKM möchte hier als Brückenbauer wirken und gezielt Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit entwickeln“*.

Die Arbeitsgruppe plant konkrete Maßnahmen:

  • Pilotprojekte im mobilen Gesundheitsschutz in Kooperation mit Behörden und Hilfsorganisationen
  • Dialogformate mit Politik und Anwendern, um Bedarfe und Lösungsansätze zu vernetzen
  • Positionspapiere zur Rolle der MedTech-Branche in der nationalen Krisenvorsorge
  • Mapping von Dual-Use-Potenzialen bestehender Produkte
  • Entwicklung einer Förderstrategie für Innovationen im Krisenkontext

Die AG-Sprecher Aleksandar Smiljanic (KARL STORZ) und David Pahl (Bremedic Trade & Consulting) unterstreichen die praktische Ausrichtung: „Medizintechnik spielt in Krisen eine Schlüsselrolle – von modularen Kliniken bis hin zu robotischer Assistenz. Unsere Aufgabe ist es, diese Lösungen zu bündeln, weiterzuentwickeln und praxistauglich zu machen“. Pahl fügt hinzu: „Entscheidend ist, Innovationen schnell einsatzfähig zu machen und gemeinsam mit Anwendern zu testen. Nur so entsteht ein belastbares Ökosystem, das im Ernstfall funktioniert“.

Die AG VZKM richtet sich an Industrie, Kliniken, Behörden, Hilfsorganisationen und Netzwerkpartner – darunter Universitäts- und Bundeswehrkrankenhäuser, THW, DRK und weitere relevante Stakeholder. Mit dieser breiten Beteiligung stärken GHA und SPECTARIS die Rolle der Medizintechnik als systemrelevanten Partner in Krisenzeiten.

*Originalzitat aus der Pressemitteilung

Institutionelle Strukturen und politische Initiativen im Bevölkerungsschutz

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bildet seit seiner Gründung im Jahr 2004 die zentrale Institution für wissenschaftlich-technische und medizinische Ausstattung im Bevölkerungsschutz. Bereits in den Jahren 2006/07 etablierte das BBK dauerhafte Ausstattungskonzepte, die bis heute die Grundlage für die materielle Krisenvorsorge bilden.

Zentrale Institutionen im Bevölkerungsschutz

Der Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Zivile Verteidigung/Zivil-Militärische Zusammenarbeit (BLoAG) vom 20. Dezember 2024 benennt konkrete Maßnahmen: den Ausbau medizinischer Task Forces, die Beschaffung krisenfester Ausrüstung und die Stärkung des Technischen Hilfswerks (THW)*. Diese Empfehlungen bilden die Basis für aktuelle politische Initiativen.

Seit 2024/25 beschäftigt sich die Bund/Länder-Arbeitsgruppe Zivile Verteidigung/Zivil-Militärische Zusammenarbeit mit dem Ausbau krisenfester medizinischer Infrastruktur und moderner Ausrüstungen für den Katastrophenschutz*.

Branchen- und Politikinitiativen 2024–2025

Die Medizintechnik-Branche positioniert sich deutlich in dieser Debatte. Im Juli 2025 betonte der BVMed die Notwendigkeit skalierbarer, dual nutzbarer Medizintechnik für zivile und militärische Krisenvorsorge. Der Verband fordert zudem die frühzeitige Einbindung der Branche in Krisenstäbe, um technologische Expertise direkt in Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen.

Parallel unterstrich eine VDI-Veranstaltung im Juli 2025 die Forderung der MedTech-Branche nach engerer Verzahnung ziviler und militärischer Strukturen. Der Fokus liegt hier auf Dual-Use-Strategien und skalierbaren Systemen, die sowohl im Alltagsbetrieb als auch im Krisenfall zuverlässig funktionieren. Diese Branchenimpulse zeigen, dass die Diskussion über krisenfeste Gesundheitsinfrastruktur zunehmend konkrete technologische Lösungen in den Mittelpunkt rückt.

Auswirkungen & gesellschaftliche Relevanz

Die Gründung der Arbeitsgruppe VZKM markiert einen strategischen Wendepunkt in der deutschen Krisenvorsorge. Ihr Einfluss reicht weit über die Medizintechnik-Branche hinaus und betrifft unmittelbar die Versorgungssicherheit der Bevölkerung bei regionalen Katastrophen, Pandemien oder militärischen Konflikten.

Welche Praxisveränderungen möglich sind

Konkret könnte die AG VZKM bestehende Versorgungsstrukturen in mehrfacher Hinsicht verbessern. Dazu zählen Notfallversorgung, Katastrophenschutz und Gesundheitswesen für Großschadenslagen.*

Die Arbeitsgruppe kann als Katalysator wirken, um technische Ausstattung gezielt mit krisentauglicher Medizintechnik zu ergänzen. Der Bericht der BLoAG ZV/ZMZ nennt hierfür konkrete Handlungsfelder:

  • Ausbau medizinischer Task Forces
  • Beschaffung krisenfester Ausrüstung
  • Gezielte Stärkung des THW*

Diese Maßnahmen lassen sich durch die Expertise der Medizintechnik-Branche beschleunigen und praxistauglich gestalten.*

Wessen Interessen stehen im Fokus?

Die gesellschaftliche Relevanz der AG VZKM zeigt sich in der Breite der beteiligten Akteure. Im Fokus stehen nicht nur industrielle oder politische Interessen, sondern vor allem die der Endnutzer: Hilfsorganisationen wie DRK und THW, Kliniken und letztlich die Bürgerinnen und Bürger, die im Ernstfall auf eine funktionierende medizinische Versorgung angewiesen sind.*

Die Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin e. V. arbeitet an der Innovationsförderung in diesem Bereich.*

Allerdings bringt der Dual-Use-Ansatz auch Herausforderungen mit sich. Fragen der Haftung, Zulassung und des Datenschutzes bei digitalen Lösungen müssen neu justiert werden, wenn Medizinprodukte plötzlich in völlig anderen Umgebungen und unter extremen Bedingungen zum Einsatz kommen. Eine klare Regulierung ist notwendig, um einerseits Innovationen zu ermöglichen und andererseits Patientensicherheit und Datenschutz auch im Krisenfall zu gewährleisten.*

Ausblick & offene Fragen

Die Gründung der AG VZKM markiert einen wichtigen Schritt zur Stärkung der medizinischen Krisenvorsorge. Doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt mit der konkreten Umsetzung. Entscheidend wird sein, ob Initiativen rasch in praktische Maßnahmen münden.

Nächste Schritte der AG VZKM

Als praxisorientierter Think-Tank will die AG VZKM über reine Diskussionen hinausgehen.

Konfliktlinien und Diskussionspunkte

Trotz des erkennbaren Handlungsdrucks bleiben zentrale Fragen ungelöst. Zentrale Maßnahmen sind der Ausbau medizinischer Task Forces und die Beschaffung krisenfester Ausrüstung.

David Pahl, Sprecher der AG VZKM, betont: "Entscheidend ist, Innovationen schnell einsatzfähig zu machen und gemeinsam mit Anwendern zu testen." Diese Forderung nach praxisnahen Testzyklen steht jedoch oft im Widerspruch zu bestehenden Genehmigungsprozessen.

Offene Fragen:

  • Wie lässt sich die Finanzierung von Krisen-Innovationen nachhaltig sichern?
  • Welche regulatorischen Anpassungen sind für Dual-Use-Medizintechnik notwendig?

Dieser Beitrag basiert auf einer gemeinsamen Pressemitteilung der German Health Alliance (GHA) und des Industrieverbandes SPECTARIS.

Weiterführende Quellen:

7 Antworten

  1. Die AG VZKM hat das Potenzial, viel zu bewirken! Es wäre hilfreich zu wissen, welche Rolle die Bürger in diesen Prozessen spielen können.

    1. Ich stimme dir zu! Die Einbeziehung der Bürger könnte helfen, ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse im Krisenfall zu schaffen.

  2. Krisenfeste Ausrüstung ist unerlässlich für eine funktionierende Gesundheitsversorgung. Ich hoffe nur, dass genug Ressourcen bereitgestellt werden, um diese Initiativen tatsächlich umzusetzen.

  3. Es ist gut zu sehen, dass die Medizintechnik-Branche aktiv wird. Wir brauchen mehr Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren. Aber wie können wir sicherstellen, dass alle Beteiligten gehört werden?

    1. Gute Frage, Heidi! Vielleicht sollten regelmäßige Treffen zwischen den Akteuren stattfinden, um Ideen auszutauschen und Bedenken zu klären.

  4. Die Idee, Medizintechnik mit militärischen Strukturen zu verknüpfen, ist neu und spannend. Hoffentlich funktioniert das gut! Ich frage mich, welche konkreten Lösungen bereits in Planung sind.

  5. Ich finde die Gründung der AG VZKM sehr wichtig! Krisen zeigen uns, wie anfällig unsere Gesundheitssysteme sind. Es wäre interessant zu wissen, wie genau die Pilotprojekte aussehen sollen.

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