Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), eine Organisation zur Förderung wissenschaftlicher Forschung, hat erstmals untersucht, welche Rolle neue Forschungsmethoden in den von ihr geförderten Projekten spielen. Diese werden unter dem englischen Begriff New Approach Methods (NAMs) zusammengefasst. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT), der sich für eine Forschung ohne Tierversuche einsetzt, begrüßt, dass solche Methoden in den Anträgen häufiger auftauchen. Er hält aber die Schlussfolgerung der DFG, die Methoden würden Tierversuche sinnvoll ergänzen oder könnten sie nicht vollständig ersetzen, für nicht belegt.
Vier Sätze reichen für einen Treffer
Nach Angaben der DFG wertete sie bewilligte Förderanträge aus den Jahren 2017 bis 2025 per automatisierter Volltextsuche aus. Eine NAM-Nutzung wird dabei angenommen, wenn ein Antrag mindestens vier Sätze mit den Suchbegriffen enthält. Erfasst wurden Organoide – dreidimensionale Zellmodelle, die Eigenschaften von Organen nachbilden –, weitere dreidimensionale Gewebemodelle, Organ-on-Chip-Technologien, bei denen Organfunktionen auf kleinen technischen Systemen nachgebildet werden, und Bioprinting, der dreidimensionale Druck mit biologischem Material. Eine individuelle Prüfung jedes Antrags fand nicht statt; deshalb können auch Erwähnungen aus Vorarbeiten oder dem wissenschaftlichen Hintergrund in die Trefferzahl eingehen.
Neue Methoden nehmen zu – Tierversuche bleiben verbreitet
ÄgT sieht in der Auswertung zunächst einen klaren Trend: Bei den Einzelprojekten, den sogenannten Sachbeihilfen, stieg die Zahl der mit NAMs identifizierten Projekte von 35 im Jahr 2017 auf 95 im Jahr 2025. Im Detail bleibt der Befund aus Sicht des Vereins jedoch weit von einem Methodenwechsel entfernt. In den lebenswissenschaftlichen Einzelprojekten, bei denen überhaupt NAMs oder Kosten für Tierversuche erfasst wurden, identifizierte die DFG 2025 in 86 von 345 Projekten NAMs. In 259 Projekten wurden dagegen Tierkosten beantragt, ohne dass eine der NAM-Kategorien die DFG-Schwelle erreichte.
Gemeinsam beantragt heißt nicht sinnvoll ergänzt
Besonders weit geht nach Darstellung von Ärzte gegen Tierversuche die DFG-Deutung bei den Sonderforschungsbereichen, also Forschungsverbünden mit mehreren Teilprojekten. 2025 wurden in 20 von 23 Forschungsverbünden aus den Lebenswissenschaften NAMs identifiziert; in 19 davon wurden zugleich Kosten für Tierversuche beantragt. Die DFG wertet das als Hinweis darauf, dass NAMs und Tierversuche häufig einander ergänzend eingesetzt würden. ÄgT hält dagegen: Ein Sonderforschungsbereich besteht aus vielen Teilprojekten. Wenn in einem Teilprojekt Organoide eingesetzt werden, während andere Teilprojekte unabhängig davon Tierversuche nutzen, sagt das gemeinsame Auftreten auf Verbundebene noch nicht, ob beide Ansätze dieselbe Forschungsfrage bearbeiten oder sich wissenschaftlich ergänzen.
Auch die weitergehende Aussage, NAMs könnten Tierversuche nicht vollständig ersetzen, sei mit der vorgelegten Analyse nicht belegt, kritisiert der Verein. Untersucht worden sei weder, ob für einzelne Tierversuche geeignete, an der menschlichen Biologie orientierte Methoden vorhanden gewesen wären, noch, welchen Erkenntnisgewinn die jeweiligen Verfahren tatsächlich erbracht hätten. Eine belastbare Antwort darauf würde nach Ansicht von Ärzte gegen Tierversuche erst eine rückblickende Auswertung abgeschlossener Projekte liefern, die den realen Methodenmix und den konkreten Beitrag von NAMs und Tierversuchen vergleicht.
Quellen
- http://www.dfg.de/datastory/nams
- https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung-nr-34
- https://www.dfg.de/de/aktuelles/zahlen-fakten/evaluation-studien-monitoring/data-stories/nams