ADFC Berlin kritisiert Doppelhaushalt 2026/27: „Senat zwingt Berlin ins Verkehrschaos“

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Der ADFC Berlin kritisiert den beschlossenen Doppelhaushalt 2026/27 als unverantwortlich. Die Verkehrspolitik des Senats vernachlässige die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern, während gleichzeitig hunderte Millionen in den Neubau von Schnellstraßen fließen. Dies werde die bestehenden Verkehrsprobleme wie Stau und Unfälle weiter verschärfen.

Inhaltsverzeichnis

– Der Berliner Senat beschließt einen Haushalt, der Investitionen in Rad- und Fußwege stark kürzt.
– Stattdessen werden Parkvignetten subventioniert und hunderte Millionen für neue Schnellstraßen ausgegeben.
– Laut ADFC Berlin führt dies zu mehr Verkehrschaos, Unsicherheit und verschärften Problemen im Alltag.

Kernaussagen der Pressemitteilung im Originalwortlaut

Am 18. Dezember 2025 beschließt das Berliner Abgeordnetenhaus den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027. Der ADFC Berlin, der Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, kritisiert diese finanzpolitische Weichenstellung scharf. Der Verein, der sich seit seiner Gründung 1983 für ein fahrradfreundliches Berlin einsetzt und von mehr als 21.000 Mitgliedern getragen wird (Stand: 18.12.2025)*, sieht in dem Haushalt eine verfehlte Verkehrspolitik.

Die politische Referentin des Verbands, Marlene Alber, kommentiert die Entscheidung mit deutlichen Worten. Ihre zentralen Aussagen und die Position des ADFC Berlin sind hier im exakten Originalwortlaut dokumentiert:

„Unverantwortlich, so muss man den neuen Haushalt beschreiben. Dieser Haushalt ist eine Absage an alle Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, Senior:innen und Schulkinder eingeschlossen. Berlin wird unsicherer, wenn der Senat an Zebrastreifen, Rad- und Schulwegen spart und stattdessen Parkvignetten subventioniert und hunderte Millionen für den Neubau von Schnellstraßen wie die TVO ausgibt. So zwingt der Senat die Menschen auf ihren täglichen Wegen ins Verkehrschaos. Schon jetzt leiden die Berliner:innen in ihrem Alltag an Stau, Stress und Unfällen. Dieser Haushalt wird die Probleme verschärfen, statt sie mit dem Aufwerten von Fußverkehr- und Fahrradinfrastruktur zu lösen. Das ist fatal.“

Für die redaktionelle Berichterstattung stellt der ADFC Berlin Infografiken zum Download bereit.

Haushalt: Was drinsteht — Geld für Wege, Rad und Straßen

Der Doppelhaushalt 2026/27 legt die finanziellen Prioritäten der Berliner Verkehrspolitik für die kommenden zwei Jahre fest. Die offiziellen Haushaltsunterlagen und Medienberichte zeigen, welche konkreten Mittel für welche Bereiche vorgesehen sind. Die Zahlen zeichnen ein gemischtes Bild aus geplanten Investitionen und erkennbaren Kürzungen.

Budgetposten im Überblick

Für die Sicherheit von Schulwegen sind im Entwurf 850.000 Euro für 2026 und 1.120.000 Euro für 2027 eingeplant (Stand: Erläuterungen Einzelplan 07, 2025). Der Etat für den Radverkehr zeigt eine rückläufige Tendenz: Nach rund 6 Mio. € im Jahr 2024 sind für 2026 rund 5,5 Mio. € und für 2027 rund 4,8 Mio. € veranschlagt (Stand: 13.11.2024).

Für den Fußverkehr sind Mittel vorgesehen, die nach vorhandener Quellenlage nicht näher zugeordnet sind: 4,8 Millionen Euro für 2026 und 4,0 Millionen Euro für 2027 (Stand: 13.11.2024). Der Unterhalt von Gehwegen und Nebenstraßen ist mit 22,5 Millionen Euro veranschlagt, wobei die konkrete Zuordnung in der Quelle nicht belegt ist (Stand: 13.11.2024).

Jahr Maßnahme Betrag Quelle/Stand
2026 Schulwegsicherheit 850.000 € Erläuterungen Epl. 07, 2025*
2027 Schulwegsicherheit 1.120.000 € Erläuterungen Epl. 07, 2025*
2024 Radverkehr rund 6 Mio. € Tagesspiegel, 13.11.2024*
2026 Radverkehr rund 5,5 Mio. € Tagesspiegel, 13.11.2024*
2027 Radverkehr rund 4,8 Mio. € Tagesspiegel, 13.11.2024*
2026 Fußverkehr (nicht genauer zugeordnet) 4,8 Mio. € Tagesspiegel, 13.11.2024*
2027 Fußverkehr (nicht genauer zugeordnet) 4,0 Mio. € Tagesspiegel, 13.11.2024*
2026/27 Unterhalt Straßenland 22,5 Mio. € Tagesspiegel, 13.11.2024*

Planung vs. Realinvestitionen

Während die Mittel für den Ausbau der Rad- und Fußinfrastruktur konkret beziffert sind, stellt sich die Lage bei großen Bauprojekten anders dar. Für die U-Bahn sind laut Berichten primär Planungsmittel gesichert. Investitionen in den eigentlichen Ausbau der Linien U2, U7 und U9 bleiben dagegen gering* (Stand: 13.11.2024)*. Diese Diskrepanz zwischen Planungsbudgets und realen Bauinvestitionen wirft Fragen zur zeitnahen Umsetzung von Großprojekten auf.

Der ADFC Berlin kritisiert diese Schwerpunktsetzung scharf. Marlene Alber, politische Referentin des Verbands, kommentiert: „Unverantwortlich, so muss man den neuen Haushalt beschreiben. Dieser Haushalt ist eine Absage an alle Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, Senior:innen und Schulkinder eingeschlossen.“ Aus Sicht des Fahrradclubs werden an den falschen Stellen Prioritäten gesetzt, während essenzielle Sicherheitsinfrastruktur vernachlässigt werde.

Berliner Verkehr: Zwischen tödlichen Unfällen und stagnierenden Angeboten

Die aktuelle Verkehrslage in Berlin zeigt zwei Seiten einer Medaille: eine unverändert hohe Zahl von Verkehrstoten* und ein öffentliches Nahverkehrsangebot, das in den kommenden Jahren nicht wachsen wird.

Verkehrstote 2023

Im vergangenen Jahr kamen in Berlin 119 Menschen im Straßenverkehr ums Leben*. Besonders betroffen sind die ungeschützten Verkehrsteilnehmer: Unter den 119 Todesopfern waren 18 zu Fuß Gehende und 15 Radfahrende.

BVG‑Angebot: Ausweitungen frühestens ab 2028

Während die Sicherheitslage angespannt bleibt, steht auch die Mobilitätswende vor einer finanziellen Hürde. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rechnen damit, ihr Angebot an Bussen und U-Bahnen bis mindestens 2027 nicht ausweiten zu können*.

Diese beiden Entwicklungen – die anhaltenden Sicherheitsrisiken und die aus Haushaltsgründen aufgeschobene Stärkung des ÖPNV – verdeutlichen die verkehrspolitischen Herausforderungen, vor denen Berlin steht. Sie bilden den konkreten Nährboden für die Kritik, dass der aktuelle Haushaltskurs die alltäglichen Probleme im Stadtverkehr nicht löse, sondern verschärfen könnte.

Gegensätzliche Wege: Schnellstraßenbau trifft auf Innenstadtumbau

Der Berliner Haushalt 2026/27 zeigt in der Verkehrspolitik zwei scheinbar unvereinbare Gesichter. Während einerseits erhebliche Mittel in den Neubau großer Straßenprojekte fließen, plant die Stadt parallel umfangreiche Umbauten in der Innenstadt, die den Fuß- und Radverkehr stärken sollen. Diese gegenläufigen Signale werfen die Frage auf, welche Priorität die Berliner Verkehrswende tatsächlich hat.

Schnellstraßenprojekte im Fokus

Kritiker verweisen auf eine klare finanzielle Schwerpunktsetzung. Die Investitionen konzentrieren sich weiterhin auf Projekte, die den motorisierten Individualverkehr begünstigen*. Der ADFC Berlin kritisiert in seiner Stellungnahme zum Haushalt diese Ausrichtung scharf. Diese Investitionen stehen im Zentrum der verkehrspolitischen Auseinandersetzung.

Umbauten zentraler Straßenräume

Gleichzeitig arbeitet Berlin an Plänen, zentrale Verkehrsadern umzugestalten*. Die Projekte sehen vor, Gehwege zu verbreitern, geschützte Radstreifen einzurichten und Kreuzungen barrierefrei umzubauen*. Diese Maßnahmen zielen darauf, den öffentlichen Raum gerechter zu verteilen und die Sicherheit für zu Fuß Gehende und Radfahrende zu erhöhen.

Die gleichzeitige Verfolgung beider Strategien – Ausbau für den Autoverkehr einerseits und Rückbau zugunsten anderer Verkehrsarten andererseits – erzeugt ein widersprüchliches Bild. Es bleibt die offene Frage, wie sich die milliardenschweren Investitionen in neue Straßenkapazitäten mit dem erklärten Ziel vertragen, den Stadtraum lebenswerter und sicherer zu machen. Die Haushaltsplanung für 2026/27 lässt beide Wege zu, ohne ihren langfristigen Widerspruch aufzulösen.

Dieser Beitrag enthält Informationen und Stellungnahmen, die auf einer Pressemitteilung des ADFC Berlin basieren.

Weiterführende Quellen:

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