Der ADAC fordert die zeitnahe Abschaffung der 12-Uhr-Regel für Kraftstoffpreise. Der Verein erklärte am Mittwoch, die Vorgabe habe zwar tägliche Preisänderungen verringert und den Zeitpunkt von Erhöhungen berechenbarer gemacht. Nach Einschätzung des ADAC sind die Preise dadurch aber nicht gesunken; die Unterschiede im Tagesverlauf hätten sich vielmehr vergrößert.
Wer erst nach 12 Uhr tanken könne, müsse nach Darstellung des Verbands erhebliche, nicht zu rechtfertigende Zusatzkosten tragen. ADAC-Verkehrspräsident Peter König sagte: „Die 12-Uhr-Regel hat ihr Ziel aus Verbrauchersicht nicht erreicht. Deshalb sollte sie abgeschafft werden.“
Was die Regel begrenzt – und was nicht
Die Regel gilt seit dem 1. April 2026 für öffentliche Tankstellen sowie für Unternehmen, die deren Verkaufspreise vorgeben. Sie schreibt vor, dass Preise für Otto- und Dieselkraftstoffe nur einmal je Kalendertag um 12 Uhr erhöht werden dürfen. Preissenkungen sind davon nicht erfasst. Die Vorgabe bedeutet also nicht, dass eine Tankstelle ihren Preis insgesamt nur einmal täglich verändern darf.
- Geltung seit 1. April 2026 für öffentliche Tankstellen und Unternehmen, die deren Preise vorgeben.
- Preiserhöhungen bei Otto- und Dieselkraftstoffen: einmal je Kalendertag um 12 Uhr.
- Preissenkungen: keine entsprechende zeitliche Begrenzung im Gesetz.
Frühe Daten trennen Preiswirkung und Regeleinhaltung
Eine Analyse des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und des Düsseldorf Institute for Competition Economics untersuchte die frühe Wirkung der Regel anhand von Preisänderungen an rund 15.000 Tankstellen und Großhandelspreis-Benchmarks. Bei Benzin ermittelten die Forschenden durchschnittlich um 5 bis 6 Cent je Liter höhere Handelsmargen; bei Diesel fanden sie keinen statistisch signifikanten Effekt. Morgens lagen die Benzinmargen demnach niedriger, zwischen Mittag und Mitternacht höher.
Das stützt die Kritik des ADAC am Tanken nach Mittag insofern, als die Untersuchung zeitliche Unterschiede bei den Margen ausweist. Sie misst jedoch Margen gegenüber Großhandelspreisen, nicht unmittelbar die Preise an der Zapfsäule oder die Mehrkosten eines einzelnen Tankvorgangs.
Eine andere Frage untersucht das SWR Data Lab: die Einhaltung des vorgeschriebenen Zeitpunkts. Nach dessen Auswertung von Daten aus der Zeit vom 1. bis 21. April gab es an rund 15.000 Tankstellen etwa 60.000 mutmaßliche Preiserhöhungen außerhalb eines für die Analyse gesetzten Fensters von 11:55 bis 12:05 Uhr. Rund 3.800 Tankstellen waren betroffen. Das sind keine rechtskräftig festgestellten Verstöße.
| Untersuchung | Datengrundlage und Zeitraum | Ergebnis | Aussagegrenze |
|---|---|---|---|
| ZEW/DICE: Handelsmargen | Preisänderungen an rund 15.000 Tankstellen und Großhandelspreis-Benchmarks; frühe Wirkung der Regel | Benzin: im Schnitt plus 5 bis 6 Cent je Liter; Diesel: kein statistisch signifikanter Effekt | Misst Margen, nicht unmittelbar Endkundenpreise oder individuelle Mehrkosten |
| SWR Data Lab: mögliche Abweichungen vom Erhöhungszeitpunkt | 1. bis 21. April 2026; Daten von rund 15.000 Tankstellen | Etwa 60.000 mutmaßliche Erhöhungen außerhalb von 11:55 bis 12:05 Uhr; rund 3.800 Tankstellen betroffen | Mutmaßliche Verstöße, keine rechtskräftigen Feststellungen |
Quellen
- https://www.gesetze-im-internet.de/kpang/BJNR0520B0026.html
- https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/tankstellen-datalab-presse-100.html
- https://www.zew.de/publikationen/predictable-prices-higher-margins-early-evidence-on-germanys-12-oclock-fuel-regulation





