A1-Ausbau in Hamburg: BUND fordert Verkehrswende statt neue Autobahnen für Klimaschutz und Natur

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BUND Hamburg lehnt den geplanten Ausbau der A1 ab und fordert stattdessen eine umfassende Verkehrswende mit Investitionen in Bahn- und ÖPNV. Beim Erörterungstermin am 21. Juli 2025 warnt die Umweltschutzorganisation vor massiven Eingriffen in Schutzgebiete – darunter 60.000 m³ Torfabbau, sieben Hektar Waldverlust und zusätzliche Flächenversiegelung. Laut BUND würde das Projekt sowohl den Autoverkehr als auch die Lärmbelastung deutlich erhöhen und Klimaziele gefährden.

Inhaltsverzeichnis

– Hamburg, 21.7.2025: BUND fordert Stopp des A1-Ausbaus wegen Natur- und Klimaschäden.
– Ausbau bedroht 7 ha Wald, 60.000 m³ Torf und mehrere Naturschutzgebiete.
– Verband fordert Verkehrswende mit Schienenverkehr und gestärktem ÖPNV statt Autobahn.

BUND Hamburg fordert Stopp des A1-Ausbaus: Verkehrswende statt Betonpolitik

Am 21. Juli 2025 fand der Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren für die achtstreifige Erweiterung der Bundesautobahn A1 zwischen dem Autobahndreieck Süderelbe und der Anschlussstelle Hamburg-Harburg statt. Der BUND Hamburg nutzt diesen Anlass, um seine klare Ablehnung des Projekts zu wiederholen. Der Umweltausschuss warnt davor, dass der Ausbau im Widerspruch zu Klimazielen steht und wertvolle Naturräume zerstört.

Der Ausbau bedroht sensible Ökosysteme und gefährdet gleich mehrere Schutzgebiete entlang der Trasse. Dabei sind 60.000 Kubikmeter Torf betroffen, der für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielt. Zusätzlich würden rund sieben Hektar vielfältiger Waldfläche vernichtet und 13.400 Quadratmeter neu versiegelter Flächen geschaffen. Besonders problematisch ist, dass in den direkt angrenzenden Naturschutzgebieten Heuckenlock und Schweensand bereits eine erhebliche Lärmbelastung besteht. Auch in den Neuländer Moorwiesen sind negative Auswirkungen zu erwarten, doch „es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum in diesen sensiblen Bereichen nicht mindestens Geld für Lärmschutzmaßnahmen für Flora und Fauna da sein soll“, betont der BUND.

Kritisch sieht die Umweltorganisation auch die Verkehrspolitik insgesamt. Entgegen sinkender Pkw-Zahlen in Hamburg sollen neue Straßen und keine verbesserten Schienenanbindungen gebaut werden. Dabei wäre es angesichts der Klimakrise dringend notwendig, „Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, indem in die Bahn investiert und der ÖPNV gestärkt wird. Das ist notwendig fürs Klima, für die Natur, für uns“. Der geplante Stadtteil Großer Grasbrook, der als autoarm konzipiert ist, werde mit dem Ausbau der A1 paradoxerweise zu etwa 25.000 zusätzlichen Autos auf der Autobahn führen.

Während der voraussichtlich fünf bis sechs Jahre dauernden Bauphase wird außerdem der Fuß- und Radweg an der Süderelbbrücke komplett gesperrt. Das führt dazu, dass Radfahrende und Fußgänger:innen Umwege von bis zu vier bis fünf Kilometern in Kauf nehmen müssen. Dies bezeichnet der BUND Hamburg als „zynisch“.

Das Projekt steht sinnbildlich für eine alte Infrastrukturpolitik, die sich an fossilen Verkehrsmitteln orientiert. „Der A1-Ausbau ist ein fossil geprägtes Projekt aus der Vergangenheit. Wir brauchen zukunftsfähige Mobilität, keine Betonpolitik“, bringt der BUND seine zentrale Forderung auf den Punkt. Für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung müsse Hamburg jetzt konsequent andere Wege gehen.

Verkehrswende unter Druck: Was der Streit über Straßenbau für Hamburg bedeutet

Der Streit um den Ausbau der A1 zwischen Autobahndreieck Süderelbe und Hamburg-Harburg spiegelt einen fundamentalen Konflikt wider, der in vielen deutschen Städten die Zukunft der Mobilität prägt: der Widerspruch zwischen traditioneller Straßeninfrastruktur und nachhaltigen Verkehrsstrategien. In Hamburg zeigt sich, wie sehr die Entscheidung für oder gegen den Ausbau einer Autobahn die Stadtentwicklung, die Umwelt und das Leben der Menschen vor Ort beeinflusst.

Der geplante 8-streifige Ausbau, der nach Ansicht des Umweltverbands BUND Hamburg im deutlichen Gegensatz zu den Klimazielen steht, würde nicht nur wertvolle Naturflächen zerstören, sondern auch Lärmbelastungen erhöhen. Unter anderem sind mehrere Schutzgebiete von erheblichen Eingriffen betroffen, darunter der Verlust von sieben Hektar vielfältiger Waldfläche und die Vernichtung von rund 60.000 Kubikmetern Torf. Für die Anwohner bedeutet das steigenden Lärm und eine stärkere Verkehrsbelastung, während Pendler kurzfristig zwar von verbesserten Verkehrsverhältnissen profitieren könnten, langfristig aber durch mehr Verkehr und Umweltbelastung Nachteile drohen.

Mobilität von morgen: Ziele und Herausforderungen

Der Ausbau der Autobahn steht symptomatisch für die Herausforderungen der heutigen Verkehrspolitik. Während die PKW-Zahlen in Hamburg rückläufig sind und der neue Stadtteil Großer Grasbrook ausdrücklich autoarm geplant wurde, soll durch den Ausbau eine Zunahme um bis zu 25.000 Autos auf der A1 bewirkt werden. Das ist nicht nur widersprüchlich, sondern konträr zu dem Ziel, den Verkehr klimafreundlich und ökologisch nachhaltiger zu gestalten.

Grundsätzlich geht es in der Diskussion um eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene sowie eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. So fordert Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg: „Verkehr muss von der Straße auf die Schiene verlagert werden, indem in die Bahn investiert und der ÖPNV gestärkt wird.“ Diese Transformation erfordert jedoch ein konsequentes Umdenken in der Planung und den politischen Weichenstellungen.

Hamburg als Testfall für den Wandel im Verkehr

Hamburg ist mit dem A1-Ausbau ein Beispiel für die Widersprüche in der Verkehrs- und Stadtentwicklungspolitik. Ähnliche Konflikte sind in anderen Regionen zu beobachten, etwa bei Ausbauprojekten von Autobahnen vor sensiblen Naturräumen oder in wachsenden Städten mit ambitionierten Klimaschutzplänen. Die Kontroverse zeigt, wie Großprojekte nicht nur ökologische, sondern auch soziale Auswirkungen haben – von der Bedrohung wichtiger Ökosysteme bis zu Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer. So würden während der sechjährigen Bauzeit etwa wichtige Fuß- und Radwege um bis zu fünf Kilometer verlängert.

Städte und Planer suchen bereits nach Alternativen zur klassischen Betonpolitik. Gefragt sind innovative Mobilitätskonzepte, die den Individualverkehr reduzieren und ökologische sowie soziale Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Ausbau und Attraktivitätssteigerung von Bahn- und ÖPNV-Netzen
  • Fahrradfreundliche Infrastruktur mit sicheren Radwegen
  • Carsharing- und E-Mobilitätsangebote zur Reduzierung privater PKW
  • Verknüpfung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit zur Verringerung der Pendelstrecken

Die Debatte um die A1-Ausweitung macht deutlich, dass politische Entscheidungen über Infrastruktur nicht nur Transportfragen betreffen, sondern an die Grenzen nachhaltiger Stadtentwicklung stoßen können. Ob Hamburg mit dem geplanten Ausbau auf altbewährte, aber klimapolitisch problematische Setzungen verharrt – oder den Wandel tatsächlich vorantreibt, steht im Zentrum der nächsten Schritte. Die Verkehrswende verlangt ein Umdenken auf allen Ebenen, um Mobilität nicht allein über mehr Straßenkapazitäten, sondern über ein ganzheitliches, umweltorientiertes Konzept zu gestalten.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von BUND Hamburg.

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