A1-Ausbau Hamburg: BUND kritisiert achtspurigen Ausbau als klimaschädlich und unnötig

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Der BUND Hamburg und die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz kritisieren den geplanten achtspurigen Ausbau der A1 zwischen Norderelbe und Stillhorn. Sie bemängeln, dass wichtige Einwände zum Schutz von Naturgebieten wie dem Heuckenlock unberücksichtigt blieben und rund sieben Hektar Wald sowie geschützte Biotope verloren gehen. Zudem fehle nach dem Finanzierungsstopp der A26 Ost die verkehrliche Grundlage für die Erweiterung.

Inhaltsverzeichnis

– Achtspuriger Ausbau der A1 gefährdet Naturschutzgebiete und vernichtet Waldflächen
– Kritik an Verknüpfung nötiger Brückensanierungen mit umstrittener Straßenerweiterung
– Erweiterung verursacht mehr Verkehr und CO₂, widerspricht Hamburger Klimazielen

A1-Ausbau: Kritik an erster Planänderung

Der BUND Hamburg und die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz haben eine Stellungnahme zur ersten Planänderung des nördlichen Abschnitts der achtspurigen A1-Erweiterung zwischen Autobahndreieck Norderelbe und Stillhorn eingereicht. Die Verbände kritisieren, dass wichtige Einwände aus ihrer ersten Stellungnahme bei der Planänderung unberücksichtigt blieben. Ein Ausgleich der Naturverluste vor Ort ist nicht vorgesehen.*

Obwohl der BUND die dringend notwendige Sanierung der A1-Brückenbauwerke anerkennt, lehnt er die Verknüpfung mit einer massiven Erweiterung auf acht Spuren ab. Die verkehrliche Grundlage für den Ausbau steht aus Sicht des BUND infrage, seit der Bund den Finanzierungsstopp für die A26 Ost verhängt hat. Deren geplanter Anschluss an die A1 war ursprünglich eine wesentliche Begründung für die Erweiterung.

„Hamburgs Infrastruktur verfällt, doch der Senat schiebt notwendige Instandhaltungen viel zu lange auf und treibt stattdessen prestigeträchtige neue Projekte voran“, so die Vorsitzende des BUND Hamburg, Sabine Sommer. „In Hamburg sind schätzungsweise 100 Brücken sanierungsbedürftig. Deren Instandsetzung ist überfällig, ein achtspuriger Autobahnausbau hingegen ist aus der Zeit gefallen. Dieser zerstört wertvolle Naturräume, erzeugt mehr Verkehr und mehr CO₂. Das ist mit den Klimaschutzzielen der Stadt nicht zu vereinbaren.“

Die offizielle Logik hinter dem A1-Ausbau

Der Projektträger Deges begründet den geplanten Ausbau der A1 mit drei zentralen Argumenten, die auf verkehrliche Entwicklungen der kommenden Jahre abzielen. Die Deges verweist darauf, dass die Autobahn eine Schlüsselrolle in überregionalen Logistikketten spielt und durch wachsenden Güterverkehr an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen wird.*

DEGES: Kapazität, Lkw‑Anteil, Sicherheit

Aus Sicht des Projektträgers bilden diese drei Faktoren eine Einheit: Mehr Spuren sollen nicht nur Staus vermeiden, sondern auch die Verkehrssicherheit erhöhen. Die Deges argumentiert, dass sich durch separate Fahrstreifen für langsamere und schnellere Fahrzeuge – insbesondere bei hohem Lkw-Aufkommen – gefährliche Überholmanöver und dichtes Auffahren reduzieren ließen. Die Einbindung der Strecke in wichtige Logistikrouten verstärke dabei den Handlungsbedarf. Es handelt sich hierbei um die offizielle Projektbegründung, die jedoch nicht die einzige Perspektive in der öffentlichen Diskussion darstellt.

Zahlen, Umfang und erwartete Folgen

Die Diskussion um den A1-Ausbau wird durch konkrete Zahlen und Prognosen befeuert. Auf dem betroffenen Autobahnabschnitt zwischen dem Autobahndreieck Norderelbe und Stillhorn rollten bereits 2023 täglich 131.000 Fahrzeuge über die Fahrbahnen (Stand: 2023). Die Prognose der Planungsbehörden sieht einen Anstieg auf 160.000 Fahrzeuge pro Tag bis 2030 vor, wobei etwa 20 Prozent des Verkehrsaufkommens auf Lkw entfallen sollen (Stand: 2023). Diese Steigerung von rund 22 Prozent innerhalb von sieben Jahren bildet die verkehrliche Grundlage für den geplanten achtspurigen Ausbau.

Verkehrsaufkommen: Ist die Prognose belastbar?

Kritiker wie der BUND Hamburg stellen die Notwendigkeit der Kapazitätserweiterung fundamental infrage. Ein zentrales Argument: Die verkehrliche Rechtfertigung des Projekts beruhte maßgeblich auf dem geplanten Anschluss der A26 Ost. Deren Finanzierungsstopp durch den Bund wirft nun die Frage auf, ob die prognostizierten Verkehrszahlen ohne dieses Zubringerprojekt noch haltbar sind. Die Diskrepanz zwischen aktueller Auslastung und prognostiziertem Wachstum gibt Anlass zur kritischen Überprüfung der Berechnungsgrundlagen.

Umweltbilanz: Torf, Versiegelung, Umwege

Die ökologischen Folgen des Großprojekts sind bereits im Vorfeld genau beziffert. Aktuelle Berichte vom Juli 2025 benennen konkrete Eingriffe in die Natur:

  • 60.000 m³ Torfböden werden durch die Baumaßnahmen beeinträchtigt (Stand: Juli 2025)*
  • 13.400 m² neue Flächenversiegelung sind geplant (Stand: Juli 2025)*
  • Fuß- und Radwege an der Süderelbbrücke müssen jahrelang voll gesperrt werden, was Umwege von vier bis fünf Kilometern für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer bedeutet (Stand: Juli 2025)*

Diese Zahlen untermauern die Bedenken von Naturschutzverbänden, die bereits in früheren Stellungnahmen auf gravierende Schäden an schützenswerten Gebieten wie dem Heuckenlock und der Auenlandschaft Obere Tideelbe hingewiesen hatten. Der Verlust von rund sieben Hektar Wald und geschützten Biotopen, für die kein Ausgleich vor Ort vorgesehen ist, verschärft die ökologische Bilanz zusätzlich.

Jahr/Zeitraum Indikator Wert Einheit Stand
2023 Verkehrsaufkommen 131.000 Fahrzeuge/Tag 2023
2030 Prognose Verkehrsaufkommen 160.000 Fahrzeuge/Tag 2023
Bauphase Torfbodeneingriffe 60.000 Juli 2025
Bauphase Neuversiegelung 13.400 Juli 2025
Bauphase Fuß-/Radweg-Umwege 4-5 km Juli 2025

Die Gegenüberstellung von verkehrlichem Nutzen und ökologischen Kosten bildet das Spannungsfeld, in dem die politische Entscheidung über das umstrittene Infrastrukturprojekt getroffen werden muss.

Gegensätzliche Perspektiven zum A1-Ausbau

Die Debatte um den achtspurigen Ausbau der A1 in Hamburg wird durch grundlegend verschiedene Bewertungen der Verkehrsprognosen und der daraus abgeleiteten Notwendigkeit geprägt. Während Umweltverbände die methodische Grundlage des Projekts infrage stellen, verweisen die Projektträger auf verkehrliche Erfordernisse und geplante Schutzmaßnahmen.

Methodenkritik an Verkehrsgutachten

Bereits im Januar 2023 übten NABU Hamburg und BUND Hamburg fundamentale Kritik an den Verkehrsgutachten, die den geplanten Ausbau rechtfertigen sollen*. Die Verbände bemängelten methodische Fehler und Ungenauigkeiten in den Prognosen. Diese Kritik betrifft die zentrale Frage, ob der prognostizierte Verkehrszuwachs tatsächlich eintreten wird – und ob der achtspurige Ausbau damit überhaupt notwendig ist. Die methodische Infragestellung der Prognosedaten stellt letztlich die gesamte verkehrliche Begründung des Vorhabens auf den Prüfstand.

Projektträger versus Umweltverbände

Die DEGES als Projektträger argumentiert hingegen mit einer prognostizierten Zunahme des Lkw-Anteils und der notwendigen Einbindung in überregionale Logistikketten (Stand: 2025)*. Diese Entwicklung erfordere zusätzliche Kapazitäten, um den Wirtschaftsverkehr flüssig zu halten. Gleichzeitig verweist die DEGES auf geplante Lärmschutzmaßnahmen, die negative Auswirkungen für Anwohner mindern sollen.

Die Umweltverbände sehen dagegen einen Widerspruch zwischen den Klimaschutzzielen der Stadt und dem Ausbau einer Autobahn, die nach ihrer Einschätzung zusätzlichen Verkehr generieren wird*. Die unterschiedlichen Positionen zeigen sich besonders deutlich in der Bewertung der prognostizierten Verkehrsentwicklung: Während die einen methodische Mängel bemängeln, stützen sich die anderen auf genau diese Prognosen als Planungsgrundlage.

A1-Erweiterung: Was jetzt auf dem Spiel steht

Die Debatte um die achtspurige Erweiterung der A1 betrifft fundamentale Fragen urbaner Entwicklung: Wie viel Verkehr verträgt eine Stadt, die sich Klimaneutralität bis 2045 zum Ziel gesetzt hat? Welche Prioritäten setzt Hamburg bei der Verteilung knapper Flächen zwischen Auto- und Radverkehr, Naherholung und Naturschutz? Die Antworten darauf werden das Stadtbild und die Lebensqualität für kommende Generationen prägen.

Die Dimensionen des Projekts zeigen sich in konkreten Zahlen: Das Verkehrsaufkommen lag im Jahr 2023 auf dem ausbau-relevanten A1-Abschnitt bei 131.000 Fahrzeugen pro Tag (Stand: 2023). Eine Prognose sieht bis zum Jahr 2030 eine Steigerung auf 160.000 Fahrzeuge pro Tag vor (Stand: 2023). Diese Steigerung von fast 30.000 Fahrzeugen würde nicht nur die Autobahn, sondern auch die angrenzenden Stadtteile mit zusätzlichem Verkehr belasten. Für Radfahrende und Fußgänger bedeutet dies mehr Lärm, Abgase und gefährlichere Querungsmöglichkeiten.

Was die Öffentlichkeit jetzt wissen muss

Die nächsten Monate entscheiden über den Verlauf des Planfeststellungsverfahrens. Medien und interessierte Bürger sollten besonders auf zwei Aspekte achten: die Qualität der verkehrlichen Gutachten und die Glaubwürdigkeit der angekündigten Ausgleichsmaßnahmen.

Verlässliche Gutachten müssen folgende Fragen beantworten:

  • Wie wirkt sich der Wegfall der A26 Ost als Zubringer tatsächlich auf die Verkehrsprognosen aus?
  • Welche konkreten Alternativen zum achtspurigen Ausbau wurden geprüft?
  • Wie werden die zusätzlichen CO₂-Emissionen mit Hamburgs Klimazielen in Einklang gebracht?

Bei den Umweltausgleichsmaßnahmen gilt es genau hinzusehen. Wertvolle Biotope wie das Heuckenlock und die Auenlandschaft Obere Tideelbe sind einmalig – ihr Verlust wäre dauerhaft.

Die öffentliche Debatte sollte sich auf belastbare, datierte Zahlen stützen und transparent machen, welche Interessen hier aufeinandertreffen. Nur so lässt sich verhindern, dass notwendige Brückensanierungen für einen überdimensionierten Neubau missbraucht werden, der Natur zerstört und noch mehr Verkehr erzeugt.

Die nachfolgenden Informationen und Aussagen basieren auf einer Pressemitteilung des BUND Hamburg.

Weiterführende Quellen:

12 Antworten

  1. Ich finde es schockierend wie viele Naturschutzgebiete durch solche Projekte gefährdet sind! Wir sollten uns wirklich Gedanken machen über nachhaltige Verkehrsplanung in Hamburg! Welche Möglichkeiten gibt es da für uns Bürger Einfluss zu nehmen? Bitte teilt eure Ideen.

  2. Ich finde die Verbindung zwischen Brückensanierung und Straßenerweiterung äußerst fragwürdig. Warum kann man nicht einfach zuerst die Brücken reparieren und dann über den Ausbau nachdenken? Hätte das nicht Priorität? Was denkt ihr darüber?

    1. Das sehe ich ähnlich! Prioritäten setzen ist so wichtig – die Natur leidet unter diesen Entscheidungen und es scheint oft keine Rücksicht darauf genommen zu werden.

    2. Absolut richtig! Wenn wir erst einmal mit dem Denken beginnen können wir vielleicht auch Lösungen finden um alles miteinander in Einklang zu bringen.

  3. Es ist schon erstaunlich wie oft große Projekte wie der A1-Ausbau trotz massiver Umweltbedenken durchgesetzt werden wollen. Was passiert eigentlich mit den Biotopen? Sind da Ausgleichsmaßnahmen überhaupt geplant oder nur leere Versprechungen?

    1. Das ist ein wichtiger Punkt, Steffi! Manchmal habe ich das Gefühl, dass solche Ausgleichsmaßnahmen nur auf dem Papier existieren und nie wirklich umgesetzt werden. Wer überprüft das eigentlich?

  4. Die Zahlen zum Verkehrsaufkommen sind erschreckend! 160.000 Fahrzeuge pro Tag bis 2030 klingt einfach zu viel. Was können wir als Bürger tun, um diese Entwicklung zu stoppen? Gibt es bereits Initiativen oder Gruppen in Hamburg, die sich aktiv dagegen wehren?

    1. Eine gute Frage, Bernhardt! Ich habe gehört, dass einige lokale Umweltgruppen regelmäßig Treffen abhalten und Informationen sammeln. Es wäre vielleicht hilfreich, dort aktiv zu werden und seine Stimme zu erheben.

  5. Ich finde es wirklich besorgniserregend, dass bei den Planungen für den A1-Ausbau die Umwelt so wenig berücksichtigt wird. Wo bleiben denn die Alternativen, die nicht sofort mit der Zerstörung von Wäldern einhergehen? Hat jemand Informationen über mögliche umweltfreundliche Lösungen?

    1. Ich stimme zu, Wendelin! Es ist wichtig, dass wir unsere Natur schützen und nachhaltige Verkehrsprojekte fördern. Vielleicht sollte man sich auch mal die Berichte über alternative Verkehrsmittel anschauen? Das könnte einen neuen Ansatz bieten.

    2. Das Thema interessiert mich auch sehr! Ich habe gelesen, dass es viele erfolgreiche Projekte in anderen Städten gibt, wo man den Verkehr nachhaltig reduzieren konnte. Weiß jemand mehr darüber?

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