Wenn im Vereinsalltag an mehreren Stellen gleichzeitig Unterstützung fehlt, fällt jede zusätzliche helfende Person sofort auf. Genau deshalb ist ein neuer Jahrgang von Freiwilligen im Sport für viele Organisationen mehr als eine Randnotiz.
Im organisierten Sport in Baden-Württemberg beginnt nun ein neuer Höchststand von 632 Freiwilligendienstleistenden im Jahrgang 2026/2027. Damit wird der bisherige Rekord aus dem Vorjahr übertroffen, als erstmals die Marke von 600 Freiwilligen überschritten wurde.
Was die Freiwilligen im Vereinsalltag übernehmen
Nach Angaben des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSVBW) unterstützen die jungen Menschen Sportvereine und -verbände in mehreren Bereichen zugleich. Sie begleiten Bewegungs- und Schwimmangebote, helfen bei Kooperationen mit Schulen und Kitas, entlasten haupt- und ehrenamtliche Strukturen in der Verwaltung und sind für Kinder und Jugendliche oft sichtbare Vorbilder.
Besonders im Format „FSJ Sport und Schule“ soll diese Rolle laut Verband spürbar werden. Dort unterstützen die Freiwilligen schulische Bewegungsangebote und helfen dabei, dass der Kontakt zwischen Schülerschaft, Lehrkräften und Vereinssport enger wird. Für Schulen und Vereine ist das vor allem praktisch relevant: Wo mehrere Stellen gleichzeitig Unterstützung brauchen, macht sich jede zusätzliche helfende Person im Alltag bemerkbar.
Jens Jakob, Vorsitzender der Baden-Württembergischen Sportjugend (BWSJ) im LSVBW, verbindet den Höchststand mit einer Forderung nach stabilen Strukturen:
„Gerade angesichts sich verändernder gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen bleibt es Aufgabe des organisierten Sports und der Politik, die Strukturen des Freiwilligendienstes zu sichern und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Ein gesicherter und chancengerechter Zugang zu Freiwilligendiensten setzt verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen voraus.“
Damit rückt die Sportjugend vor allem einen Punkt in den Mittelpunkt: Freiwilligendienste funktionieren nur verlässlich, wenn Finanzierung, Einsatzstellen und Begleitung zusammenpassen.
So setzt sich der Jahrgang zusammen
Der neue Rekordjahrgang verteilt sich auf mehrere Formate. Bereits am 15. August starteten 215 Freiwillige im FSJ Sport und Schule. Zum 1. September kamen 324 Engagierte im FSJ im Sport hinzu sowie 89 Dienstleistende im Bundesfreiwilligendienst (BFD) Sport. Vier Freiwillige aus dem Vorjahr verlängern ihren Einsatz um ein halbes Jahr.
Der Unterschied zwischen den Diensten ist für Außenstehende wichtig: Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein Jugendfreiwilligendienst, der Bundesfreiwilligendienst steht dagegen allen Altersgruppen offen. Der BFD feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum. Im Sport reicht das Spektrum der Aufgaben nach Angaben des Verbands deshalb von Bewegungsangeboten bis zu Projekten wie Spendenaktionen, Tauschbörsen oder Aufgaben rund um Social Media und Nachhaltigkeit.
Gerade diese Mischung erklärt, warum Freiwilligendienste im Vereinsumfeld spürbar sein können. Vereine bekommen Unterstützung in einem Bereich, in dem oft wenige Hauptamtliche und viele Ehrenamtliche gleichzeitig Verantwortung tragen. Gleichzeitig lernen die Freiwilligen, wie Abläufe organisiert werden und was es heißt, in einem Team verbindlich mitzuarbeiten.
Warum Freiwilligendienste für junge Menschen und Vereine relevant bleiben
Für die Freiwilligen selbst verweist der Verband auf mehrere konkrete Vorteile. Dazu zählen die Anrechenbarkeit für die Fachhochschulreife und mögliche Bonuspunkte bei der Studienbewerbung. Vor allem aber geht es um Erfahrung im Alltag: Verantwortung übernehmen, sich selbst organisieren, mit Kindern arbeiten und Abläufe kennenlernen, die man aus Schule oder Studium oft so nicht kennt.
Auch über den einzelnen Jahrgang hinaus hat das Gewicht. Der Deutsche Olympische Sportbund weist seit Jahren darauf hin, dass viele Vereine Schwierigkeiten haben, ehrenamtliche Funktionsträger zu gewinnen und zu binden. Freiwilligendienste im Sport lösen dieses Problem nicht, sie können aber den Kontakt zum Ehrenamt erleichtern und jungen Menschen einen niedrigschwelligen Einstieg geben.
Nach Angaben des LSVBW bleiben viele Freiwillige dem organisierten Sport auch nach dem Dienst verbunden. Aus einem Jahr im Einsatz wird so nicht selten ein längerer Bezug zum Verein oder Verband. Ob daraus dauerhaft neues Ehrenamt entsteht, hängt jedoch von den Strukturen vor Ort ab und davon, wie gut die Erfahrungen begleitet werden.
Der Rekord zählt erst mit verlässlichen Rahmenbedingungen
Die Zahl 632 ist bemerkenswert, doch sie beantwortet noch nicht die entscheidende Frage: Wie tragfähig sind die Freiwilligendienste im Alltag der Vereine? Genau dort zeigt sich, ob die Einsatzstellen genug Unterstützung, klare Zuständigkeiten und verlässliche Finanzierung haben.
Für Vereine, Schulen und Verbände ist das der eigentliche Punkt hinter der Zahl. Erst wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann aus einem starken Jahrgang mehr werden als eine gute Meldung.
Quellen
- BMFSFJ-Open-Data-Datensatz zum Jugendfreiwilligendienst
- BMFSFJ-Open-Data-Datensatz zum Bundesfreiwilligendienst
- DOSB: Ehrenamt im Sport
- BAFzA: 15 Jahre Bundesfreiwilligendienst





