4,37 Millionen Mitgliedschaften: Was der neue Höchststand für Baden-Württembergs Sportvereine bedeutet

Baden-Württembergs Sportvereine erreichen 2026 einen neuen Höchststand bei den Mitgliedschaften. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Vereine unverändert – und damit rücken Ehrenamt, Kapazitäten und der Alltag in den Vereinen in den Mittelpunkt.

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Menschen beim Handballtraining in einer Sporthalle.
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Das Wichtigste in Kürze

  • 2026 erreicht Baden-Württemberg mit 4,37 Millionen Mitgliedschaften einen neuen Höchststand bei gleichbleibender Vereinszahl.
  • Der Organisationsgrad liegt bei fast 39 Prozent der Bevölkerung, der Sport prägt den gesellschaftlichen Alltag stark.
  • Mitgliederzuwachs zeigt sich in allen Regionen und Altersgruppen, besonders stark bei über 90-Jährigen.
  • Turnen, Fußball und Bergsport/Klettern sind die größten und am stärksten wachsenden Sportarten.
  • Wichtig bleibt die Frage, ob Ehrenamt, Hallenzeiten und Finanzierung mit dem Mitgliederwachstum Schritt halten.

Wenn die Mitgliedschaften steigen, die Zahl der Vereine aber gleich bleibt, stellt sich schnell die Frage nach der Belastbarkeit der bestehenden Strukturen. Reichen Ehrenamt, Hallenzeiten und Übungsleitungen aus, um den Zuwachs im Alltag aufzufangen?

Die aktuelle Mitgliederbestandserhebung des Landessportverbands Baden-Württemberg e. V. zeigt genau diese Entwicklung. Zum Stichtag 1. Januar 2026 wurden im Land 4.373.259 Mitgliedschaften in 11.214 Sportvereinen gezählt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 73.226 Mitgliedschaften oder 1,70 Prozent. Die Zahl der Vereine blieb damit im fünften Jahr in Folge steigender Mitgliederzahlen konstant.

Warum die Statistik über Baden-Württemberg hinaus relevant ist

Mit diesen Zahlen bleibt der organisierte Sport die größte Personenvereinigung im Land. Der Organisationsgrad, also der Anteil der Mitgliedschaften an der Bevölkerung, liegt nach Angaben des Verbandes inzwischen bei fast 39 Prozent. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Vereine damit einen großen Teil des gesellschaftlichen Alltags prägen.

LSVBW-Präsident Jürgen Scholz ordnete die Entwicklung zugleich politisch ein. Er sagte:

„Ein Baustein der Erfolgsgeschichte des Sportlandes Baden-Württemberg war immer auch die zielgerichtete Zusammenarbeit des organisierten Sports mit Politik und Verwaltung. Umso wichtiger ist es, dass der Sport auch in der neuen Wahlperiode keine ministerielle Zersplitterung erleben muss – sonst sehen wir diese Erfolgsgeschichte in Gefahr.“

Das ist eine Bewertung des Verbandes. Zugleich wird deutlich, dass die Statistik aus Sicht der Verantwortlichen auch als Signal an die Landespolitik gedacht ist. Ob daraus konkrete Änderungen folgen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

In einen größeren Zusammenhang passt der Befund ebenfalls: Der SWR berichtete bereits 2025 über steigende Mitgliederzahlen in Baden-Württemberg, besonders bei Vorschulkindern und jungen Erwachsenen. Eine ifo-Analyse für 2025/2026 beschreibt für Deutschland insgesamt stabile Sportvereinsmitgliedschaften, verweist aber auf regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede.

Wo das Wachstum besonders sichtbar wird

Der Zuwachs verteilt sich auf alle drei Sportbünde im Land. Der Badische Sportbund Freiburg legte um 1,88 Prozent zu, der Badische Sportbund Nord um 1,62 Prozent und der Württembergische Landessportbund um 1,66 Prozent. Das spricht dafür, dass sich das Wachstum nicht auf einzelne Regionen beschränkt.

Auffällig ist auch die Altersstruktur. In der Gruppe der 90-Jährigen und Älteren stiegen die Mitgliedschaften um 15,23 Prozent. Mit Ausnahme der 0- bis 2-Jährigen verzeichnen auch die Kinder- und Jugendaltersgruppen bis einschließlich 18 Jahre Zuwächse. Den größten Anteil an den Sporttreibenden stellt mit 23,55 Prozent die Altersgruppe der 46- bis 65-Jährigen.

Bei den Sportarten bleibt Turnen mit 1.236.563 Mitgliedschaften die größte Sparte, gefolgt von Fußball mit 1.169.257 und Bergsport/Klettern mit 304.008. Prozentual legten vor allem Fußball mit 2,01 Prozent und Bergsport/Klettern mit 3,55 Prozent zu, Turnen kam auf ein Plus von 1,00 Prozent. Der mitgliederstärkste Verein im Land ist weiter der VfB Stuttgart mit 122.360 Mitgliedschaften.

Was das für den Vereinsalltag bedeutet

Für die Vereine ist vor allem die Lücke zwischen Nachfrage und Struktur relevant. Die Zahl der Mitglieder steigt, die Zahl der Vereine bleibt aber gleich. Aus der Mitteilung geht nicht hervor, ob dafür mehr Hallenzeiten, zusätzliche Übungsleitungen oder neue Finanzierungswege nötig werden. Genau dort dürfte sich der Anstieg im Alltag am schnellsten bemerkbar machen.

Vor allem kleinere Organisationen könnten unter Druck geraten, wenn mehr Kinder, Jugendliche oder Erwachsene aufgenommen werden sollen, ohne dass das Ehrenamt im gleichen Tempo wächst. Das ist keine neue Krise, aber ein Hinweis darauf, dass positive Mitgliederzahlen allein noch keine Antwort auf die Frage nach Kapazitäten liefern.

Der Verband liefert damit eine erfreuliche Bilanz, aber keine vollständige Wirkungsanalyse. Für Vereine, Verbände und Kommunen bleibt deshalb entscheidend, ob Infrastruktur, Ehrenamt und Finanzierung mit dem Wachstum Schritt halten.

Ein Rekord, der noch nicht die ganze Geschichte erzählt

4,37 Millionen Mitgliedschaften markieren einen neuen Höchststand im Baden-Württemberger Vereinssport. Gleichzeitig zeigt die Statistik vor allem, wie stark das System von ehrenamtlicher Arbeit und vorhandenen Sportstätten abhängt.

Die eigentliche Bewährungsprobe liegt deshalb nicht in der Zahl selbst, sondern in ihrer praktischen Verarbeitung. Erst wenn Vereine genug Räume, Zeitfenster und Menschen für die Organisation haben, wird aus dem Rekord mehr als eine gute Meldung.

Quellen

Die Mitgliederstatistik des Landessportverbands Baden-Württemberg e. V. ist hier abrufbar: https://www.lsvbw.de/verband/statistik/

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