150 Schwimmbäder bekommen Geld für Sanierung und Modernisierung – und diese Zahl klingt zunächst nach einer kräftigen Bewegung. Doch der eigentlich aufschlussreiche Teil steckt dahinter: Fast 1.000 Anträge lagen bis Mitte Juni auf dem Tisch, zusammen mit einem Förderbedarf von 3,2 Milliarden Euro. Aus Sicht des Deutschen Olympischen Sportbundes ist das Programm damit 13-fach überzeichnet. Mit anderen Worten: Für 150 Projekte reichte das Geld, rund 800 Vorhaben gingen leer aus.
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 23. September die Projekte aus der Förderlinie „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ ausgewählt, wie der DOSB mitteilte. Das ist eine Förderzusage, aber noch lange nicht das Ende der Bauarbeiten. Erst kommt die Zusage, dann Planung, Vergabe, Umbau – und erst am Ende stehen die sanierten Becken, Hallen und Freibäder. Genau deshalb lesen Verbände die Entscheidung nicht als Schlusspunkt, sondern als Startsignal.
Warum die Zahl 150 so viel erklärt
Die ausgewählten Vorhaben sollen kommunale Frei-, Hallen- und Sportbäder modernisieren. Dafür standen 250 Millionen Euro bereit. Diese Summe gehört allerdings nicht zur allgemeinen Förderrunde des Programms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ in Höhe von 333 Millionen Euro, sondern bildet eine zusätzliche, eigenständige Förderlinie. Auch das neue SKS-Programm für 2025 und 2026 ist mit 916 Millionen Euro veranschlagt – aber auch diese Summe ist nicht allein für Schwimmbäder vorgesehen.
Dass die Mittel trotzdem in wenigen Wochen vergriffen waren, sagt viel über den Zustand vieler kommunaler Anlagen. Nicht nur Schwimmbäder, auch andere Sportstätten haben Sanierungsbedarf. Der DOSB, der Dachverband des organisierten Sports, begrüßte die Mittelzuteilung ebenso wie der Deutsche Schwimm-Verband. Beide Verbände sehen darin aber nur den ersten Schritt. Ihre Botschaft ist einfach: Der Nachholbedarf ist größer als ein einzelner Fördertopf.
David Profit, Präsident des Deutschen Schwimm-Verbands, bringt das so auf den Punkt: „Die zigfache Überzeichnung des Programms zeigt aber auch auf, dass eine Fortsetzung in den kommenden Jahren dringend erforderlich ist.“ Und er verbindet die Hoffnung auf weitere Runden mit einem praktischen Gedanken: Der DSV wünsche sich, dass Infrastrukturmittel gezielt Bädern zugutekommen, die Zeiten für Schulen, Schwimmvereine und Schwimmschulen anbieten. Denn dort, wo gelernt, trainiert und Unterricht gemacht wird, wirken Sanierungen nicht nur als technische Erneuerung, sondern ganz direkt im Alltag.
Der Ruf nach mehr Geld bleibt laut
Auch der DOSB blickt über diese Förderrunde hinaus. Der Verband fordert, die von der Koalition angekündigte „Sportmilliarde“ jährlich vollständig bereitzustellen, das Programm aufzustocken und weitere Förderrunden zu planen. Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung des DOSB, verweist auf die enorme Höhe des Sanierungsstaus im Sport und sagt: „Aufgrund der enormen Höhe des Sanierungsstaus im Sport braucht es für langfristige und nachhaltige Effekte aber die gesamte Sportmilliarde jährlich.“
Der Appell richtet sich auch an die Länder, die aus Sicht des DOSB eine Investitionsoffensive für die Sportinfrastruktur starten sollen. So bleibt die aktuelle Schwimmbadförderung wichtig – aber eben nur als Zwischenstation. Die eigentliche Frage lautet nun, ob aus einer einmaligen Auswahl eine verlässliche Reihe wird. Denn die Nachfrage ist da, die Warteliste auch. Und die 150 geförderten Bäder zeigen vor allem eines: Wie lang der Weg zu ausreichend sanierten Sportstätten noch ist.
Quellen
- https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1126910
- https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/kurzinfo-haushalt-2026.pdf?__blob=publicationFile&v=1





