– Weltweit 114 Mio Menschen auf der Flucht (fast doppelt seit 2013), 43,3 Mio Kinder.
– 75,9 Mio Binnenvertriebene oft ungeschützt, über 10 Mio flüchten aktuell im Sudan.
– „Aktion Deutschland Hilft“ fördert 178 Projekte mit 132 Mio € Hilfe für 12,4 Mio Betroffene.
Weltflüchtlingstag 2023: Zahl der Geflüchteten erreicht beispiellosen Höchststand
Die Welt steht vor enormen humanitären Herausforderungen. Gewalt, Kriege und die zunehmend spürbare Klimakrise haben Millionen Menschen in extreme Armut und Perspektivlosigkeit gestürzt. Diese Entwicklungen führen zu einer beispiellosen Zunahme von Migration und Fluchtbewegungen. Die neuesten Zahlen des UNHCR lassen die Dimension dieser Krise klar erkennen: Bis September 2023 waren weltweit 114 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter 43,3 Millionen Kinder. Diese Zahl hat sich seit 2013 nahezu verdoppelt – mit einer besorgniserregenden Aufwärtstendenz.
Maria Rüther, Hauptgeschäftsführerin von „Aktion Deutschland Hilft“, bringt es deutlich auf den Punkt: Hinter jeder Zahl steht ein Schicksal, das unsere Beachtung verdient. Vor diesem Hintergrund ist es eine humanitäre Pflicht, Menschen in Not aktiv beizustehen. Das Bündnis engagiert sich derzeit mit 178 laufenden Projekten weltweit und einem Gesamthilfebudget von über 132 Millionen Euro in der Flüchtlingshilfe. Dadurch werden mehr als 12,4 Millionen Männer, Frauen und Kinder mit lebensnotwendiger Hilfe erreicht.
Ein besonders drängendes Thema sind die Binnenvertriebenen: Von den 114 Millionen Geflüchteten sind 75,9 Millionen Menschen innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben. Ihre Lage ist oft noch prekärer als die derjenigen, die ein Land verlassen mussten. Das Beispiel Sudan illustriert diese Notlage eindrucksvoll: Dort fliehen laut UNO mehr als zehn Millionen Menschen vor Krieg und Gewalt, ohne Schutz in einem sicheren Zufluchtsort zu finden. Maria Rüther mahnt eindringlich: Binnenvertriebene sind von völkerrechtlichen Abkommen nicht geschützt. Sie bleiben wiederholt von Vertreibung bedroht und gelten vielfach als staatenlos.
Die stärksten Fluchtbewegungen finden aktuell in der Ukraine, Gaza sowie in Afrika südlich der Sahara, etwa im Sudan und der Demokratischen Republik Kongo, statt. Rund 46 Prozent der Binnenvertriebenen weltweit leben in diesen afrikanischen Ländern. Die meisten suchen Schutz in benachbarten Regionen und fliehen nicht unmittelbar nach Europa. In diesen Krisengebieten leisten die Organisationen von „Aktion Deutschland Hilft“ essenzielle humanitäre Arbeit. Sie versorgen die Menschen mit Nahrungsmitteln, unterstützen unterernährte Kinder und verteilen Bargeld sowie Gutscheine, damit die Betroffenen ihre Grundversorgung eigenständig organisieren können.
Neben der medizinischen Versorgung bauen sie Gesundheitsinfrastrukturen aus, bilden Hebammen und Pflegekräfte aus und stellen Medikamente sowie Impfstoffe bereit. Die Trinkwasserversorgung und hygienischen Bedingungen werden verbessert, um Krankheiten wie COVID-19 und Cholera vorzubeugen. Schulbesuche werden ermöglicht, Lehrer:innen unterstützt, und Jugendliche über die Gefahren von Flucht und Migration informiert, um die Schulabbruchquote zu senken. Junge Erwachsene erhalten durch Ausbildungsprogramme berufliche Perspektiven. Landwirte werden in klimawandelresistenten Anbautechniken geschult. Einheimische und Geflüchtete werden wirtschaftlich und sozial integriert, und Mikrofinanzierung hilft, ein unabhängiges Leben aufzubauen.
Am Montag, den 17. Juni, von 10 bis 11:30 Uhr findet ein virtuelles Mediengespräch statt, bei dem Medienvertreter mehr über die Lage in der Ukraine, der Demokratischen Republik Kongo und Syrien erfahren können. Teilnahmebestätigungen mit Zugangsdaten werden nach Anmeldung bis zum 14. Juni an presse@aktion-deutschland-hilft.de verschickt. Expert:innen wie David Starke von AWO International und Mirna Abboud von Help – Hilfe zur Selbsthilfe stehen für Fragen bereit.
„Aktion Deutschland Hilft“ ruft dringend zu Spenden für die weltweite Nothilfe auf. Unter dem Stichwort „Nothilfe weltweit“ kann über IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30 bei der SozialBank oder online auf www.Aktion-Deutschland-Hilft.de gespendet werden. Das Bündnis wurde 2001 als Zusammenschluss renommierter deutscher Hilfsorganisationen gegründet, um in Katastrophensituationen schnell und effektiv Hilfe zu leisten. Über die transparente Verwendung der Spendengelder informieren die jährlichen Finanzberichte unter aktion-deutschland-hilft.de.
Flucht als globale Herausforderung: Hintergründe und Perspektiven
Die Dynamik von Fluchtbewegungen nimmt weltweit zu. Immer mehr Menschen sehen sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, nicht selten innerhalb der eigenen Staatsgrenzen als Binnenvertriebene. Die Gründe dafür sind vielfältig und eng miteinander verknüpft. Krieg, Umweltzerstörung, politische Instabilität und wirtschaftliche Krisen verstärken sich gegenseitig und treiben Menschen in die Flucht. Diese Entwicklung wirft komplexe Fragen auf, die weit über die unmittelbaren humanitären Herausforderungen hinausgehen.
Warum steigt die Zahl der Geflüchteten weltweit?
Die zunehmenden Fluchtbewegungen sind eng verbunden mit globalen Krisen, die eine Vielzahl von Ursachen haben: andauernde bewaffnete Konflikte, die Vernachlässigung nachhaltiger Entwicklung, schwache Regierungsstrukturen und klimatologische Veränderungen verschärfen die Lebensbedingungen an vielen Orten. Die Binnenvertriebenen sind dabei besonders vulnerabel, da sie häufig in prekären Verhältnissen im eigenen Land Schutz suchen und oft nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie Menschen mit internationalem Fluchtstatus erhalten. Diese Verschiebung verdeutlicht das Ausmaß der Krise und zeigt, wie dringend Lösungen für vielfältige und eng verzahnte Problemlagen gebraucht werden.
Was bedeutet die Krise für Deutschland und Europa?
Für Deutschland und die gesamteuropäische Gemeinschaft hat der Umgang mit Fluchtbewegungen politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Dimensionen. Die Aufnahme und Integration Geflüchteter stellt Aufnahmegesellschaften vor große Herausforderungen, aber auch Chancen. Die Debatten um Solidarität und Verantwortung spiegeln die Suche nach einem Ausgleich wider zwischen nationalen Interessen und globaler Fürsorgepflicht. Gleichzeitig führt der Druck auf infrastrukturelle und soziale Systeme zu Spannungen, die eine nachhaltige Politikgestaltung erfordern. Auf internationaler Ebene erfordert die Fluchtkrise ein abgestimmtes Handeln von Staaten, Hilfsorganisationen und der Zivilgesellschaft, um humanitäre Hilfe zu leisten und zugleich Fluchtursachen langfristig zu bekämpfen.
Die Situation wird sich weiterentwickeln, da sich humanitäre Bedürfnisse, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen verändern. Hilfsorganisationen müssen ihre Strategien anpassen und zunehmend flexible, auf verschiedene Kontexte abgestimmte Antworten finden. Gleichzeitig sind Politik und Zivilgesellschaft gefordert, solidarische Lösungen zu fördern, die sowohl den Menschen auf der Flucht als auch den Aufnahmegesellschaften gerecht werden. So bleibt die Fluchtlage eine globale Herausforderung, die an Dynamik gewinnt und dauerhafte Aufmerksamkeit erfordert.
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Weltflüchtlingstag: 114 Millionen Menschen auf der Flucht – nie waren es so viele / …
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