Das Deutsche Institut für Menschenrechte gibt anlässlich des 15-jährigen Inkrafttretens der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland bekannt, dass Deutschland noch weit von einer inklusiven Gesellschaft entfernt sei. Menschen mit Behinderungen hätten in vielen Lebensbereichen noch immer keine echten Wahlmöglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben. Kinder mit Behinderungen hätten beispielsweise vielerorts keine Alternative zu Förderschulen und auch auf dem angespannten Wohnungsmarkt hätten Menschen mit Behinderungen sehr eingeschränkte Wahlmöglichkeiten. Das Institut fordert Bund, Länder und Kommunen auf, entschieden gegenzusteuern und die nötigen Weichenstellungen für eine inklusive Gesellschaft vorzunehmen. Inklusion ohne Selbstbestimmung sei keine Inklusion.
Original-Pressemeldung:
Jahrestag der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland / Echte Wahlmöglichkeiten …
Deutsches Institut für Menschenrechte
Berlin (ots)
Deutschland ist fast 15 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention noch weit von einer inklusiven Gesellschaft entfernt. Das erklärt das Deutsche Institut für Menschenrechte anlässlich des Jahrestags des Inkrafttretens der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland am 26. März.
“Menschen mit Behinderungen haben in vielen wichtigen Lebensbereichen immer noch keine echten Wahlmöglichkeiten, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen würden, wie es für ihre Mitmenschen selbstverständlich ist”, erklärt Leander Palleit, Leiter der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Instituts.
So hätten Kinder mit Behinderungen vielerorts de facto keine Alternative zu Förderschulen, weil es den Regelschulen an einem inklusiven Konzept, entsprechender Ausstattung oder pädagogischem Personal fehlt. Auch nach ihrer Schulzeit könnten Jugendliche mit Behinderungen kaum einen anerkannten Beruf erlernen oder eine Hochschule besuchen, sondern hätten meist nur die Optionen Berufsbildungswerk oder Werkstatt für behinderte Menschen. “Es kommt zu einer Exklusionskette, die die Rechte der Menschen mit Behinderungen massiv beeinträchtigt”, so Palleit.
“Auch auf dem angespannten Wohnungsmarkt haben Menschen mit Behinderungen sehr eingeschränkte Wahlmöglichkeiten”, betont Palleit. In Deutschland sei noch immer nur etwa jede fünfzigste Wohnung barrierefrei – und das in Zeiten steigenden Bedarfs angesichts der demografischen Entwicklung. Diese Beispiele zeigten, dass sich strukturelle Probleme der Gesellschaft auf Menschen, die eine Beeinträchtigung welcher Art auch immer haben, besonders stark auswirken.
Das Institut fordert Bund, Länder und Kommunen auf, in ihrer jeweiligen Zuständigkeit entschieden gegenzusteuern und zügig die nötigen Weichenstellungen vorzunehmen, sei es ordnungspolitisch, institutionell oder finanziell. Palleit: “Noch immer sind in Deutschland, entgegen den menschenrechtlichen Verpflichtungen und aller Inklusions-Rhetorik zum Trotz, die Weichen so gestellt, dass für viele Menschen mit Behinderungen der Weg in Sonderstrukturen vorgezeichnet ist.” Alle Lebensbereiche müssten für alle Menschen, auch Menschen mit Behinderungen, zugänglich und inklusiv gestaltet sein.
“Inklusion ohne Selbstbestimmung ist keine Inklusion. Und selbstbestimmt lebt nur, wer zwischen echten Alternativen wählen kann”, so der Menschenrechtsexperte.
WEITERE INFORMATIONEN
Rechte von Menschen mit Behinderungen
Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland
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Bettina Hildebrand, Pressesprecherin
Telefon: 030 259 359 – 14 I Mobil: 0160 966 50083
E-Mail: hildebrand@institut-fuer-menschenrechte.de
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Weitere Informationen über den Verband
– Es handelt sich um das Deutsche Institut für Menschenrechte.
– Es wurde im Jahr 2001 von der Bundesregierung gegründet.
– Das Institut ist eine unabhängige Nationale Menschenrechtsinstitution (NMRI), die den Schutz und die Förderung der Menschenrechte in Deutschland gewährleisten soll.
– Es setzt sich aus einem pluridisziplinären Team von Expertinnen und Experten zusammen.
– Das Institut hat seinen Hauptsitz in Berlin.
– Es ist Mitglied im Netzwerk der nationalen Menschenrechtsinstitutionen (ENNHRI) und in der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen.
– Das Institut arbeitet nach einem breiten Verständnis von Menschenrechten und setzt sich für eine inklusive und gerechte Gesellschaft ein.
– Seine Arbeit umfasst Forschung, rechtliche Analysen, Beratung, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit.
– Es gibt mehrere Arbeitsbereiche, die sich auf die Menschenrechte von Frauen, Kindern, Migrantinnen und Migranten, Menschen mit Behinderungen und anderen Gruppen konzentrieren.
– Das Institut arbeitet eng mit anderen Akteuren im Bereich der Menschenrechtsförderung zusammen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.
– Seit seiner Gründung hat das Institut zahlreiche Studien und Empfehlungen veröffentlicht und an Diskussionen zu verschiedenen Menschenrechtsfragen teilgenommen.
– Das jährliche Budget des Instituts betrug im Jahr 2020 etwa 5,5 Millionen Euro.
– Der Vorstand des Instituts besteht aus zwölf Mitgliedern, darunter Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen und Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen.
8 Antworten
Haha, als ob die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland irgendetwas bewirkt hätte! Alles nur leere Versprechen!
Also ich finde, dass die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland total überbewertet wird.
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist überbewertet! Es gibt wichtigeres zu tun!
Das ist eine ignorant und egoistische Einstellung. Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein bedeutender Schritt zur Förderung der Inklusion und Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen. Respekt und Empathie sollten immer Priorität haben, egal was du denkst.
Die UN-Behindertenrechtskonvention hat mehr Schaden als Nutzen gebracht. Eine Farce!
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist reine Symbolpolitik und bringt kaum echte Veränderungen mit sich.
10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland: Warum sollten wir überhaupt darüber reden?!
Was für eine Frage! Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein Meilenstein für die Inklusion und Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Es ist wichtig, darüber zu reden, um Bewusstsein zu schaffen und Barrieren abzubauen. Ignoranz ist keine Option!